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Meine Highlights 2012

Das Jahr 2012 war ein tolles Filmjahr, besonders abseits vom typischen Hollywoodbombast kamen einige sehenswerte Filme aus Asien, Frankreich und Großbritannien. Mit dieser (ungeordneten) Liste bestimme ich nun meine Highlights 2012 (einige Filme gehören eigentlich noch ins Jahr 2011, aber auch ich habe noch ein Leben  abseits vom Film und konnte erst jetzt einige Kracher nachholen) Ich hoffe den Ein oder Anderen mit dieser Liste zu inspirieren, natürlich freue ich mich auch über Eure Filmlisten in den Kommentaren. Viel Spass!

PIETA (KOR)
Niederschmetternd, schonungslos und todtraurig - endlich wieder ein echter Kim Ki-Duk.(→Trailer)

KOTOKO (JAP)
Shinya Tsukamoto überrascht mit einem mitreissendem Charakterfilm, der Melodram um Bodyhorror auf überzeugende Art und Weise miteinander vereint. (→Trailer)

BEAST OF THE SOUTHERN WILD (USA)
Ein poetisches Märchen über die Hoffnung, wo eigentlich keine mehr zu sein scheint. (→Trailer)

NAMELESS GANGSTER (KOR)
OLDBOY-Mime Choi Min-Sik als oscarverdächtigen Möchtegern-Gangster. (→Trailer)

BEYOND THE BLACK RAINBOW (KAN)
buchstäblich ein audiovisueller Fiebertraum. Das Setdesign und die Soundkulisse sind preisverdächtig! (→Trailer)

TAKE SHELTER (USA)
Psychodrama trifft auf apokalyptischen Mysteryfilm. Michael Shannon trägt den gelungenen Film mit seiner tollen Performance. (→Trailer)



SHAME (GB)
Der geniale Michael Fassbender in der Rolle eines Sexsüchtigen. Sowohl filmisch als auch schauspielerisch brilliant. (→Trailer)

KILLER JOE (USA)
Die Schauspieler performen sich in diesem filmgewordenen Tabubruch gegenseitig an die Wand. (→Trailer)

MOONRISE KINGDOM (USA)
"what kind of bird are you?" Brilliante Groteske von Wes Anderson. (→Trailer)

ZIEMLICH BESTE FREUNDE (FR)
Eine bewegende, toll gespielte Komödie mit Tiefgang aus Frankreich. (→Trailer)


KILL LIST (GB)
Spielt perfekt mit den Erwartungen des Zuschauers - schlechte Laune garantiert! (→Trailer)

SUBMARINE (GB)
Wunderschöne und zugleich glaubwürdige Tragikkomödie über das Erwachsenwerden aus Großbritannien. (→Trailer)

THE GREY (USA/KAN)
Roh, kalt und schonungslos - Liam Neeson unter Wölfen. Wie eine kalte Dusche für den Zuschauer (→Trailer)

PROMETHEUS (USA)
"big things have small beginnings". Hat definitiv seine Ecken und Kanten, fasziniert aber dennoch durch seine cineastischen Referenzen, Atmosphäre und Michael Fassbender. (→Trailer)

MY WEEK WITH MARILYN (USA)
Michelle Williams verzaubert als zerbrechliche Marlilyn Monroe kurz vor ihrem tragischen Tod. (→Trailer)




THE SKIN I LIVE IN (SPA)
Sollte man ohne jegliches Vorwissen des Plots anschauen, dann ist pures WTF-Kino garantiert! (→Trailer)



SKYFALL (USA/GB)
Vereint alles was Bond ausmacht und setzt dennoch neue Maßstäbe - der beste Bond seit GOLDFINGER (→Trailer)

SLEEPING BEAUTY (GB/AUS)
Obwohl das Thema eine reisserische Umsetzung angeboten hätte hat Julia Leigh einen kühlen, subtilen Film geschaffen, der dem Zuschauer viel Platz für seine Gedanken lässt. (→Trailer)



THE HOBBIT (NZ)
Peter Jackson hat  aus einem kleinen Kinderbuch einen epischen Startschuss für eine neue Trilogie gezaubert. (→Trailer)

DER GOTT DES GEMETZELS (USA)
Vier Schauspielgenies dürfen unter der Regie von Roman Polanski mal richtig die Sau rauslassen. (→Trailer)

HENRY - Portrait of a Serial Killer

Regie: John McNaughton
Drehbuch: Richard Fire, John McNaughton 
Darsteller: Michael Rooker, Tom Towles, Tracy Arnold

Henry, ein aktiver Serienmörder, der wegen dem Mord an seiner eigenen Mutter vorbestraft ist, wohnt mit seinem ehemaligen Gefängnisskollegen Otis zusammen in einer Bruchbude in Chicago. Als eines Tages Otis' jüngere Schwester Becky auftaucht und von der Misshandlung in ihrer Jugend berichtet, spürt Henry eine gewisse Seelenverwandschaft zu Ihr und der Alltag aller drei Personen gerät völlig aus den Fugen.

John McNaughtons (WILD THINGS) Regiedebüt ist ein beklemmender und verstörender Serienkillerfilm, der sich nicht beim Publikum anbiedern will. Das besondere an HENRY - PORTRAIT OF A SERIAL KILLER ist die Tatsache, dass der Film keinerlei Interesse daran hat die blutigen Details der grausamen Morde zu illustrieren, er erforscht vielmehr das Innenleben seiner Hauptfigur. Michael Rooker liefert in der Rolle des titelgebenden Psychopathen eine Glanzleistung. Durch seine echte und undistanzierte Erzählweise schafft es der Film durch Mark und Bein zu gehen und eine ähnliche Intensität wie z.b. TEXAS CHAINSAW MASSACRE zu erzeugen. Regisseur John McNaughton nutzt erzählerische Instrumente wie z.B. das Erleben der Handlung durch eine Kamera, welche einer der Protagonisten verwendet, oder das zeitversetzte Abspielen von Videobändern, um mit eben dieser räumlichen und zeitlichen Distanz zum Zuschauer zu spielen.
 
Der Film erhielt in den USA zunächst ein unlukratives X-Rating, woraufhin der Film in den Archivregalen zu verstauben drohte, erst drei Jahre später und mit dem Einsatz des Filmkritikers Roger Ebert, ging der Film erneut durch die Instanzen der Zensurbehörden und erhielt schlussendlich doch ein R-Rating. Das Label "Bildstörung" veröffentlicht dieses kleine Meisterwerk auf Bluray und DVD in einer nie dagewesenen Bildqualität und im originalen Bildformat 1:1,33 (Academy). Die Special Edition enthält eine sehr informative Bonusdisk mit Making Of, Deleted Scenes und weiteren informativen Inhalten, während die Limited Edition zusätzlich den hyptnotisierenden Soundtrack auf Audio-CD enthält. Eine mehr als gelungene Veröffentlichung eines düsteren Meisterwerks!

Palastmagazin goes Letterboxd

Bei der Filmplattform Letterboxd.com handelt es sich um eine Art digitales Filmtagebuch, welches es dem User ermöglicht eine Übersicht bereits gesehener Filme zu erstellen, bzw. Listen persönlicher Favoriten, Empfehlungen oder nach eigenen Kriterien anzulegen. Ganz nach dem Prinzip eines sozialen Netzwerkes  folgt man anderen Nutzern und beobachtet, wer gerade welchen Film gesehen hat. Neben der Möglichkeit Filme zu bewerten und eine Review zu verfassen, entdeckt man auf diese Art und Weise immer Werke, welche einem bis dato völlig unbekannt schienen.
Das Ganze befindet sich noch in der Testphase und wächst quasi täglich durch kleine Neuerungen und Überarbeitungen (die aktiv von der Community vorgeschlagen). Wer mitmachen will darf mich gerne anschreiben und erhält danach eine Einladung in dieses emfehlenswerte Forum, es lohnt sich!

Da bei mir gerade beruflich einiges los ist wird sich das Palastmagazin auf letterboxd.com ausweiten, dennoch werde ich hier auf der Seite weiterhin Filme vorstellen und besprechen - es geht weiter!
Hier geht es zum Profil vom Palastmagazin

Cineastische Häppchen No.2

Es ist wieder einmal Zeit für einen neuen Eintrag im Filmtagebuch! Es folgt ein kleiner Überblick auf die neuen cineastischen Schätze der letzten Wochen, viele kleine Überraschungen und auch eine große Enttäuschung zeichneten meine letzten Heimkinoabende aus. Viel Spass beim Schmökern! Eigene Gedanken und Anregungen dürfen gerne in den Kommentaren verewigt werden.

 
THE AWAKENING
Der Geisterfilm ist ein überstrapaziertes Genre welches seit dem großartigen SIXTH SENSE zunehmend von Stereotypen und erzwungenen Wendungen geprägt ist. Es geht oft nur darum auf einen abstrusen Twist hinzuarbeiten um dann mit haarsträubenden Machwerken wie AN AMERICAN HAUNTING an der Kasse Profit zu machen. Umso erfreulicher, dass mit THE AWAKENING ein gänzlich frischer Wind durch das gebeutelte Genre weht. Die Geschichte um die seelisch gequälte Autorin, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat Geisterphänomene als Humbug entlarven, überzeugt mit brilliant gezeichneten Charakteren, deren Hintergrundgeschichte wirklich glaubwürdig und nachvollziehbar gestaltet wurde. THE AWAKENING würde sogar als reines Charakterdrama ohne die übernatürliche Komponente funktionieren, dabei muss aber erwähnt werden dass man selten eine dermassen kluge und stimmige Geistergeschichte erzählt bekommen hat. Nick Murphy's Film überzeugt durch eine wundervoll kühle Atmosphäre und tolle Darstellern allen voran Rebecca Hall [VICKY, CHRISTINA, BARCELONA] und Dominic West [THE WIRE]. Der beste Geisterfilm seit THE SIXTH SENSE!
[Medium: UK-Bluray von Studio Canal mit englischem Originalton]


LE HAVRE
"Ich bevorzuge die Version des Märchens, in der Rotkäppchen den bösen Wolf frisst" mit diesem Zitat lässt sich die ironische Unkonventionalität des filmischen Schaffens Aki Kaurismäkis treffend umschreiben. Wieder einmal erzählt der Finne eine kauzige und zugleich herzerwärmende Geschichte, so grotesk wie sie nur das echte Leben schreiben kann. Das ergreifende Abenteuer um einen kleinen illegalen Einwanderer auf Heimatsuche, birgt dieses Mal sogar eine gesellschaftkritische Komponente und wurde (ungewohnt für Kaurismäki) außerhalb von Finnland gedreht. LE HAVRE ist ein wunderschön fotografierter, skurriler und herzerwärmender Film, wie ihn nur Aki Kaurismäki auf die Leinwand zaubern kann. Ein absolute Empfehlung! 
[Medium: Deuschte DVD von Pandora Film]


THIS MUST BE THE PLACE
Ein depressiver, in die Jahre gekommener Gothik-Rockstar [Sean Penn im Ozzy Osbourne-Modus mit einer beängstigend-voluminösen Pudel-Perücke) führt nach dem Tod seines Vaters dessen Lebensaufgabe fort, einen Naziverbrecher aufzutreiben und sich an diesem zu Rächen. Zwischen zahlreichen Songzitaten, einem Gastauftritt der TALKING HEADS und vielen weiteren skurillen Begebenheiten, verbirgt sich hinter THIS MUST BE THE PLACE ein überraschend liebenswertes Roadmovie mit einer mitreissenden Selbstfindungsgeschichte. Es liegt vor allem an Sean Penn und der großartigen Frances McDormand, dass diese groteske Geschichte zu solch einem schrullig-schönen Erlebnis wird.
[Medium: Deutschte DVD von DCM]


TYRANNOSAUR
Jospeph ist ein schlechter Mensch, er säuft, er randaliert und er hasst sich und alle Menschen. Erst als er eine Frau kennenlernt, welche von ihrem Mann gedemütigt und geschlagen wird, wacht er auf und fängt an Gefühle für einen anderen Menschen aufzubringen. Diese zebrechliche Konstellation zwischen zwei seelisch gebeutelten Menschen kommt allerdings ins Wanken und treibt auf deren persönliche Apokalypse zu. TYRANNOSAUR, das bemerkenswere Regiedebüt des britischen Schauspielers Paddy Considine, ist eine düstere und bewegende Geschichte um eine unmögliche Liebe, welche zum Scheitern verurteilt ist. Peter Mullan beweist wieder einmal, dass er zu den besten Schauspielern seiner Generation gehört und trägt dazu bei, dass sich der niederschmetternde Film tief in die Köpfe und Herzen der Zuschauer brennt.
[Medium: Deutsche Bluray im Mediabook von Eurovideo in der Reihe Kino Kontrovers]


WALKABOUT
Nach dem Selbstmord ihres Vaters müssen sich ein Junge und ein Mädchen alleine im australischen Outback zurecht finden. Dort treffen sie auf einen jungen Aborigine, der den WALKABOUT [ein Ritual des Erwachsenwerdens] vollzieht, allerdings wird diese Begegnung für beide Parteien nicht ohne Folgen bleiben. WALKABOUT handelt von dem Aufeinandertreffen zweier völlig unterschiedlicher Kulturen und schildert die Seele der Natur in ihrer eindrücklichen Bedrohlichkeit. Endlich hat sich eine deutschen Label Nicolas Roegs hypnotischem Klassiker aus den 70ern angenommen. Der fast schon psychedelische Film ist ein zeitloses Kunstwerk, mit einer sehr wertvollen und weisen Botschaft.
[Medium: Deutsche Bluray von Pierre Le Fout im schönen 3 Disk-Digipack]


THE THING
Ob nun Remake, Reboot oder Prequel - es ist eigentlich eine Schande wenn ein aktueller Film nicht das (zugegeben hohe) technische Niveau des Originals erreichen kann. War [und ist!] John Carpenter's THE THING ein Musterbeispiel für den täuschend realistischen Einsatz von animatronischen Puppen und brillianten handgemachten Effekten, so ergötzt sich das Remake ausschliesslich an künstlich wirkenden Computereffekten. Davon abgesehen hat man es geschafft die komplette Seele des Originals operativ zu entfernen. Zwar konnte man mit Joel Edgerton [WARRIOR, ANIMAL KINGOM] und Mary Elisabeth Winstead [SCOTT PILGRIM] zwei vielversprechende Newcomer des neuen Kinos gewinnen, diese Ambintionen werden aber mit einem unfassbar unbeholfenen Skript eliminiert - jeder potentielle Spannungsmoment wird konsquent ins Leere inszeniert, was soweit geht, dass einem die Charaktere am Ende völlig gleichgültig sind. Carpenter's Film bezog einen Großteil seiner Spannung aus der Ungewissheit, wer nun von dem "echt" oder "das Ding" sei, diesen interessanten Aspekt verspielt die Neuverfilmung gnadenlos. Zuschauern, welche das Original nicht kennen, könnten THE THING vielleicht noch etwas abgewinnen, alle Anderen sollten einen großen Bogen um diese in den Schnee gesetzte Baustelle machen.
[Medium: Deutsche Bluray von Universal]

MADOKA MAGICA





Die Begriffe "Anime" und "Magical-Girl" stossen hierzulande nicht unbedingt auf große Gegenliebe, prinzipiell handelt es sich eher um eine kleine aber feine Subkultur, welche besagte Genrebeiträge konsumiert. Universum Anime hat sich erfreulicherweise dennoch  diesem [in Japan enorm erfolgreichen] Phänomen angenommen. MADOKA MAGICA scheint zunächst nur eine von vielen Serien zu sein, bis man etwas hinter die zuckersüße Fassade blickt, denn hinter den großen Kulleraugen und bunten, abgefahrenen Kostümen verbirgt sich eine überraschend überzeugende Auseinandersetzung mit einem sehr westlich geprägten Motiv: nämlich Goethes FAUST.


Ein kleines verzaubertes Wesen namens Kyubey nimmt die Rolle des Mephistopholes ein, was durch diverse Goethe-Zitate verstärkt wird. Die obligatorische Geschichte des Schulmädchens das ihrer Bestimmung folgt und magische Kräfte einsetzt wird schrittweise mit immer abgefahreren Zutaten wie Hexen und Seelensteinen angereichert und zunehmend fesselnder inszeniert. MADOKA MAGICA ist definitv einer der besten Anime-Beträge der letzten Jahre und nicht umsonst ein bahnbrechender Erfolg in seinem Entstehungsland. UNIVERSUM ANIME scheint ein gutes Händchen bei der Auswahl ihrer Veröffentlichung zu beweisen, denn mit APPELSEED XIII steht der nächste große Knaller vor der Haustür. Hierzu bald mehr im Palastmagazin!
[Medium: Deusche DVD von Universum Anime]

DIE HAUT IN DER ICH WOHNE

Regie: Pedro Almodóvar
Produktion: August Almodóvar
Darsteller: Antonio Banders, Elena Anaya, Marisa Peredes, Jan Cornet

Pedro Almodovar's neuer Streich konfrontiert zunächst mit einer recht grotesken Personenkonstellation: Es scheint als ob der Chirurg Robert Ledgart [Antonio Banderas] eine Gefangene in seiner Klinik festhält - durch verschachtelte Rückblenden und Wendungen schafft es der Film allerdings sämtliche Erwartungen des Zuschauers auf den Kopf zu stellen. Vermutet man am Anfang noch einen dialoglastigen Kunstfilm, so mutiert DIE HAUT IN DER ICH WOHNE ab der Mitte zum völlig abgefahrenen und grotesken Thriller mit interessanten Body-Horror-Elementen.



Die gesamte Inszenierung ist stark vom Horrorklassiker EYES WITHOUT A FACE [Les yeux sans visage von George Franju] inspiriert, daher wollte Almodovar seinen Film zunächst auch in Schwarz-Weiss ohne Ton inszenieren. Antonio Banderas liefert in der Rolle des akribisch-besessenen Arztes womöglich die Rolle seines Lebens ab, man nimmt ihm seine Figur wirklich in jeder Sekunde ab, überhaupt weiss auch die gesamte Besetzung zu überzeugen.



Ohne zuviel zu verraten sollte man betonen, dass in der augenscheinlich grausamen [und tendenziell perversen] Geschichte eine subtile Auseinandersetzung mit dem Thema Körpermetarmophose und Geschlechteridentifikation schlummert. Auch erzählerisch löst DIE HAUT IN DER ICH WOHNE eine geradezu hypnotische Faszination aus, denn nach der verstörenden Wendung in der Mitte des Filmes erstrahlt der gesamte Beginn in einem völlig neuen Licht. Sicher kein Film für jedermann, dennoch eine glänzende Perle des spanischen Kinos!

ASIA - Kurzbesprechungen #3


Es ist wieder Zeit für einen kleinen Überblick sehenswerter [Import-]DVDs und Blurays aus Asien, nach Qualität aussortiert, zusammengetragen und mit einem kleinen Eindruck auf das [digitale] Papier gebracht. Die besprochenen Filme in der dritten Ausgabe der Asia-Kurzbesprechungen: Guilty of Romance, War of the Arrows, Yellow Sea, Dainipponjin - der große Japaner, Underwater Love und Ichi - die blinde Schwertkäpferin.
Viel Spass beim Schmökern! [Für die Trailer jeweils auf das zugehörige Bild klicken, Links zu den entsprechenden Fassungen befinden sich unter der Besprechung]




GUILTY OF ROMANCE [J 2011]
Nach LOVE EXPOSURE und COLD FISH, serviert Ausnahmeregisseur Sion Sono erneut ein etwas sperriges, aber dafür umso aufregenderes Fragment seiner "Hass-Trilogie". Irgendwo zwischen Drama und greller Gesellschaftssatire dreht sich hier alles um drei weibliche Hauptfiguren und deren Sexualität: Izumi, die Ehefrau eines erfolgreichen Erotik-Autors, welche aus den Fesseln ihrer nicht erfüllten Sexualität ausbrechen will, Mitsuko, eine Professorin, die ein Doppelleben als Straßenprostituierte lebt und zu guter Letzt die Polizistin Yoshida, welche ihre sexuellen Gelüste vor ihrem Umfeld verborgen halten will. Zwischen dem Kampf gegen die Triebe und dem leicht prätentiösen schwelgen in Kafka-Zitaten [auch hier suchen die Figuren "Das Schloss"] zwinkert der Film dem Zuschauer das ein oder andere Mal neckisch entgegen und überhöht die episodisch konzipierte Geschichte zur bunten Satire. Obwohl es GUILTY OF ROMANCE nicht immer gelingt den richtigen Rhytmus zu finden, versöhnt Sion Sono dennoch durch eine provokative, unkonventionelle und visuell überzeugende Machart.
[Medium: UK Bluray von EUREKA, beinhaltet nur die internationale Kinofassung, der längere Dir. Cut wird exklusiv in Japan vertrieben]




WAR OF THE ARROWS [Korea 2012]
Ein [koreanisches] Dorf wird von einem [chinesischen] Clan überfallen und verschleppt. Eine Gruppe [weit unterlegener] Bogenschützen machen sich auf die Jagd nach ihrem Volk und dezimieren den Feind Schritt für Schritt mit Pfeil und Bogen. Trotz [oder gerade wegen?!] einer recht minimalistisch gehaltenen Story zwischen APOCALYPTO und 300, überzeugt WAR OF THE ARROWS wie schon lange kein Actionfilm mehr. Fast der komplette Film besteht aus einer gigantischen, schweisstreibenden Verfolgungsjadgd, welche sowohl auf ästhetischer, als auch auf dramaturgischer Ebene voll überzeugen kann. Hollywood bot schon lange keinen dermassen aufregenden Film mehr - rassiermesserscharfe Spannung vom Feinsten!
[Medium: limitierte koreanische Specialedition, inklusive Langfassung, welche exklusiv in Korea erhätlich ist]




YELLOW SEA [Korea 2011]
Regisseur Hong-Jin Na knüpft mit THE YELLOW SEA gekonnt an den Erfolg seines Vorgängerwerkes THE CHASER an. Von seiner Ehefrau verlassen und finanziell ruiniert wird Goo-nam gezwungen das gelbe Meer zu überqueren und einen Mann gegen Geld zu töten. Er nutzt diese Gelegenheit um seine verschwunde Frau zu suchen und verzettelt sich dabei immer tiefer in eine Welt aus Kriminalität aus der kein leichtes Entkommen mehr möglich ist. Regisseur Hong-Jin Na schafft es den Zuschauer das Schicksal des heimatlosen Protagonisten am eigenen Leib spüren zu lassen und in sehr trostlosen und blutigen Bildern eine unerwartete Wendung der Nächsten folgen zu lassen. THE YELLOW SEA ist ein kompromissloser, adrenalingeladener und vor allem überzeugender Überlebenskampf in einem radikal entmenschlichten Grenzmillieu.
[Medium: UK Bluray von EUREKA, ungekürzte Fassung]



UNDERWATER LOVE [J 2009]
Ein Pink-Musical, zu deutsch: Es wird gesungen, getanzt und reichlich gevögelt was das Zeug hält! Das Ganze wäre nicht der Rede Wert, wenn man sich hier nicht sichtbar bemüht hätte dem bunten Treiben einen gewissen ästhetischen Anstrich zu verpassen. Die deutsche Band STEREO TOTAL liefert den japanisch-sprachigen Soundtrack was eine lockere und fröhlich-trashige Atmosphäre versprüht. Den Schauspielern schien der absurde Genre-Mix Spass zu machen, der Zuschauer wird es hingegen etwas schwerer haben. Lässt man sich auf die groteske, mythologisch angehauchte Geschichte ein, so wird man als experimentierfreudiger Zuschauer durchaus bei Laune gehalten. UNDERWATER LOVE ist der perfekte [semi-intelektuelle] Partyfilm für ein nicht-prüdes Publikum!
[Medium: limitierte UK Bluray von Third Window Films mit Audio CD, Soundtrack von Stereo Total]




DAINIPPONJIN - Der große Japaner [J 2005]
Halbdokumentarischer Spielfilm, der das Schicksal eines japanischen Superhelden im Kampf gegen grotesk-mutierte Riesenmonster zeigt. Bis zum Bersten mit Genrezitaten gefüllt, welche man allerdings erst nach dem höchst empfehlenswerten Audiokommetar von Herrn Buttgereit zu dechiffrieren vermag. Wer glaubt er habe Alles gesehen, der solle sich doch bitte mal DAINOPPONJIN vornehmen. Grotesk, abgedreht, surreal, trashig - kurz: ein einziger [riesigengroßer] Spass!
[Medium: Dt. DVD von Rapid Eye Movies mit empfehlenswertem Audiokommentar von Filmemacher und Monster-Experte Jörg Buttgereit]




ICHI - die blinde Schwerkämpferin [J 2009]
Ein interessanter Versuch die legendäre Zatoichi-Figur von einer weiblichen Schauspielerin spielen zu lassen. Der Film funktioniert sehr gut, was vor allem an den stimmungsvollen Settings und der prägnanten Kameraarbeit liegt, leider neigen die Figuren das ein oder andere Mal zum dezenten Overacting, was dem Film einen etwas überdrehten Touch verleiht. ICHI ist dennoch ein sehenswerter Schwerkampffilm der Moderne!
[Medium: Dt. Bluray von Rapid Eye Movies]

SHAME


Regie: Steve McQueen
Darsteller: Michael Fassbender, Carey Mulligan
Buch: Abi Morgan

"Wir sind keine schlechten Menschen, wir kommen nur von einem schlechten Ort"

Nach seinem grandiosen Regiedebüt HUNGER liefert Steve McQueen erneut eine subtile Auseinandersetzung mit einem unbequemen Tabuthema. In SHAME wird ein nach aussen perfekt wirkender Geschäftsmann portraitiert, welcher hinter seiner Fassade mit einem schmerzvollen Leiden zu kämpfen hat. Die Unfähigkeit mit Gefühlen umzugehen manifestiert sich für ihn in einer sehr qualvollen Form: Sex, der Akt der Liebe, verkommt zum mechanischen Betäubingsinstrument jeglicher Emotionen. Seine Krankheit hat auch einen Namen: Sexssucht.



Michael Fassbender [HUNGER, INGLORIOUS BASTERDS] verkörpert diese schwierige Figur mit Bravour, er spielt die Rolle nicht nur, er fühlt sich förmlich in den seelischen Zustand seiner Figur ein, seine Blicke und Gesten erzählen weit mehr als manch ein verhaltener Dialog. Die Eskalation der Geschichte wird durch seine Schwester [Carey Mulligan] provoziert, welche unter einem ähnlichen und doch sehr gegenteiligen Problem leidet: Dem Mangel an Liebe zu sich selbst. Dieses Aufeinandertreffen suggeriert viele unausgesprochenen Probleme aus der Vergangenheit der Figuren und lässt den Film auf ein sehr bewegendes Finale hinsteuern.



In monotonen und kühlen Bildern wird dem Zuschauer das "sexuelle Gefängnis" vor Augen geführt, aus welchem es kein Entkommen zu geben scheint. Mit einigen intensiven Momenten der Stille und beindruckenden Plansequenzen ohne Schnitt, findet Steve McQueen eine sehr wirkungsvolle Form der Erzählweise. SHAME ist ein äusserst unbequemer, verstörender und dennoch großartiger Film, der den Zuschauer für ein oft ignoriertes Problem sensibilisiert.

Anmerkung: Im Gegensatz zu HUNGER ist die deutsche Synchronisation von SHAME durchaus gelungen und kann ohne weiteres emfohlen werden.

BOARDWALK EMPIRE


Darsteller: Steve Buscemi, Kelly MacDonald, Michael Pitt, Michael Shannon, Paz de la Huerta
Produktion: Martin Scorsese, Mark Wahlberg, Terence Winter
Studio: HBO

"I do expect to have everything"

[Enoch "Nucky" Thompson]

Wir schreiben das Jahr 1921, die Zeit der Prohibition. BOARDWALK EMPIRE, HBO's neuer Stern am Serienhimmel, beginnt mit einem Knall: der Illegalisierung von Alkohol. Sofort wird klar, dass dieses Gesetz einen fruchtbaren Nährboden für jedwede Art von Kriminalität bis in die höchste Regierungsebene bietet. Das BOARDWALK EMPIRE ist aufgrund seiner Küstenlage ein strategisch wichtiger Umschlagplatz für den Alkoholhandel, welcher die Aufmerksamkeit illustrer Gestalten wie Al Capone, Lucky Marciano aber auch einer kriminell agierenden Regierung weckt [verkörpert durch den Bezirksschatzmeister Enoch Thompson].



Martin Scorsese [THE DEPARTED, CASINO] und Terrence Winter [THE SOPRANOS] schufen keinsfalls eine dröge Gangsterserie, im Mittelpunkt steht eine interessante Auswahl an Charaktere: Der ausgebrannte Bezirksschatzmeister, ein fremd gewordener Kriegsheimkehrer, eine [zunächst] hilflose Imigrantin, ein mysteriöser Bundesagent und zahlreiche Nebenfiguren, sie alle vervollständigen eine allgemeingülte Parabel über Macht, Verbrechen und Kaptialismus in einem Land der unbegrenzten Möglichkeiten.



Jede Folge besitzt einen klar herausgearbeiteten emotionalen Kern, die Vergangenheit und Sehnsüchte einer jeden Figur werden subtil und glaubwürdig vermittelt. Somit entsteht eine faszinierende Vielschichtigkeit in der gesamten Figurenwelt der Serie. Ähnlich wie Ian McShane's Figur in DEADWOOD lässt sich Enoch Nucky Thompson [toll gespielt von Steve Buscemi] weder "gut" noch "böse" klassifizieren, wie im echten Leben stehen die meisten Figuren auf einem schmalen Grat zwischen Sympathie und Abscheu.



BOARDWALK EMPIRE brilliert in der Darstellung von Abhängigkeiten, Ereignisketten und unwideruflichen Konsequenzen. Steve Buscemi überzeugt im Wechselspiels zwischen emotionaler Zerbrechlichkeit und knallhartem Durchsetzungsvermögen, die Aufarbeitung seiner persönlichen Vergangenheit gelingt der Serie insbesonders und baut eine gelungene Verbindung zwischen seiner fragwürdigen Figur und dem Publikum auf.



Zieht man ein Resüme aus der erste Staffel, so mag es zunächst befremdlich sein, dass es keinen "großen" dramatischen Handlungskern gibt, die Faszination an BOARDWALK EMPIRE besteht aus einem Kaleidoskop aus kleinen Geschichten und sich entwickelnden Charakteren, welches ein gelunges Gesamtbild formt. Zwar geht es um den großen Umschwung [hervorgerufen durch die Prohibition] doch eigentlich handelt die Serie von Verflechtungen, sowohl politischer als auch emotionaler Art.



Produktionstechnisch ist BOARDWALK EMPIRE vielen Kinoproduktionen oft überlegen, das amerikanische Küstenstädchen wurde in einer gelungenen Mischung aus klassischen Setaufbauten und CGI-Effekten [→ Hier ein tolles Video dazu] ins Leben gerufen und mit einigen sehr ästhetischen und durchaus kinoreifen Bildern eingefangen. Hin und wieder erstaunen Aufnahmen, welche aus einem Gemälde von René Magritte entstammen könnten.



Im Verlauf der Geschichte entstehen einige große, geradezu magische [Kino-]Momente, welche man eher in einem Film wie DER PATE oder CASINO erwarten würde und für eine Fernsehserie ungewöhnlich aber durchaus willkommen sind. Dieser hohe künstlerische Anspruch macht BOARDWALK EMPIRE gewissermasen zu einem Epos und bewahrheitet tatsächlich den im Vorfeld ausgesprochenen Claim: "Scorseses Serie könnte das Kino ruinieren".
Ich sage: Serien wie BOARDWALK EMPIRE ruinieren das Kino nicht, sie fordern es heraus!



Trailer zu BOARDWALK EMPIRE: