.

Review: HARRY BROWN


Regie: Daniel Barber
Darsteller: Michael Caine, Emily Watson
Buch: Gary Young

Der frische Witwer Harry Brown [Michael Caine] muss mitansehen, wie Jugendliche vor seiner Haustür randalieren und das gesamte Viertel unsicher machen. Nachdem sein bester Freund [David Bradley] kaltblütig von dieser Bande ermordet wird, nimmt der Ex-Mariniesoldat das Gesetz selbst in die Hand und räumt auf den Strassen Englands auf.

Diese Rache ist nicht süß!

Man könnte vermuten HARRY BROWN [→Trailer] bewege sich im Fahrtwasser der aktuellen Rachefilm-Welle, dem ist aber nicht so. Gegenüber Filmen wie TAKEN, LAW ABIDDING CITIZEN oder DEATH SENTENCE überzeugt er durch eine sehr unhektische und subtile Machart. Getragen von Michael Caines genialem Schauspiel dreht der Film seine Spannungsschraube langsam aber effektiv an. Was im kleinen Konflikt beginnt, endet in einer großen infernalen Schlacht. Interessant ist besonders die soziale Komponente auf die der Film eingeht. Wie auch schon in EDEN LAKE handeln hier jungendliche Täter mit einer unfassbaren Skrupellosigkeit, welche als Zuschauer kaum zu ertragen ist. Emotional ist HARRY BROWN sehr mitreissend und durch seinen gut gezeichneten Hauptcharakter auch stets authentisch und nachvollziehbar. Szenen wie der Konflikt bei den Waffenhändlern verhelfen dem Film zu wahrer Größe und machen ihn durch die detailiert dargestellte Atmosphäre auch sehr glaubwürdig.

Sehr hart, aber trotzdem stets subtil und glaubwürdig.

Als eine Art britisches Pendant zu GRAN TORINO, aber stets eigenständig, darf HARRY BROWN zur Oberklasse seines Genres gerechnet werden. Filmisch hervorragend umgesetzt und schauspielerisch ebenfalls sehr überzeugend, erwartet einem mit HARRY BROWN das gelungene Portrait eines gebrochnenen Mannes der Rache nimmt.


9/10 gerächten Schandtaten
Unheimlich spannendes Kino von der grünen Insel

Ein Highlight 2010: Dieser einzigartige Film wurde in die Jahresliste der gelungensten Filme 2010 aufgenommen!

Review THE BOX


Regie: Richard Kelly
Darsteller: Cameron Diaz, James Marsden
Buch: Richard Kelly, Richard Matheson

Die Türklingel reisst ein junges Pärchen aus dem Bett und plötzlich steht ein Paket vor der Tür: die titelgebende "Box". In dieser Box befindet sich eine kleine Apparatur, ausgestattet mit einem großen, roten Knopf. Schon bald erfahren die Beiden, dass ihnen durch das Drücken des Knopfes eine Million Dollar übergeben wird, aber irgendwo auf der Welt ein Mensch durch diesen Mechanismus zu Tode kommt. Der moralischen Zwiespalt hinterlässt die Zwei sehr unsicher aber auch skeptisch, niemand ahnt zu diesem Zeitpunkt, dass hinter diesem mysteriösen Prozedere eine weitgehendere Verschwörung mit ungeahnten Drahtziehern steht.

Die Konsequenzen einer Handlung

Richard Kelly fesselte 2001 mit dem mysteriösen Film DONNIE DARKO ein großes Publikum, nach seinem gelungenen aber wesentlich weniger erfolgreichen SOUTHLAND TALES überzeugt er nun erneut mit einem Film, der wieder einige große Fragezeichen erzeugt. THE BOX [→Trailer] ist Ende der 70er angesiedelt und dies wurde auch filmisch verdeutlicht, etwa durch den subtilen Einsatz typischer Musik, wie sie in B-Movies dieser Zeit eingesetzt wurde oder durch die Verwendung von Farbfiltern und Weichzeichnern. THE BOX lebt davon, dass er den Zuschauer durch ständig neue Rätsel am Ball hält und ihn miträtseln lässt. Dies hat zur Folge, dass man das Schicksal des Pärchens am eigenen Leib nachvollziehen kann und den "Horror" des Unbewussten sehr unvermittlet miterlebt. Die Aufklärung dieses Mysteriums findet zwischen den Zeilen statt und man sollte dem Geschehen schon sehr aufmerksam folgen um alles zu erfassen.

Wer denkt sich solch ein perfides Spiel aus?

Man darf nicht zuviel verraten, mit welchen seelischen Torturen Cameron Diaz und James Marsden konfrontiert werden, denn das würde den Spass an diesem wirklich fesselnden und atmosphörischen Film verderben. THE BOX ist ein sehr gelungener Genrefilm, der irgendwo zwischen dem naiven Charme eine B-Movies und der Vielschichtigkeit eines modernen Thrillers steckt. Kellys Film entstand frei nach der Kurzgeschichte "Button, Button" von Richard Matheson, der unter anderem die Vorlage für I AM LEGEND [bzw. OMEGA MAN respektive THE LAST MAN ON EARTH] geliefert hat. Übrigens wurde diese Geschichte schon einmal in einer TWILIGHT ZONE Episode umgesetzt.


8/10 gedrückten Knöpfen
Mysteriös, spannend und voller kleinen Details, die man beim ersten Sehen gar nicht komplett erfassen kann.

WHATEVER WORKS


Regie: Woody Allen
Darsteler: Larry David, Evan Rachel Wood
Buch: Woody Allen
Studio: Sony Classics

Ein höchstgradig verbittertes Genie der Quantenphysik lebt alleine in New York und hat der Welt nicht viel mitzuteilen ausser dem Gemecker über New Yorker, Nicht-New Yorker und eigentlich allen Menschen auf der Welt. Eines Tages tritt ein junges Mädchen in sein Leben, dessen Gegenwart er zunächst ablehnt, nach einigen nervenaufreibenden Dialogen aber doch soweit in sein Herz schliesst, dass selbige Dame schon bald einen Ehering an ihrem Finger vorfindet. Als die Mutter aus den Südstaaten vor der Tür steht und mit dem 40 Jahre älteren Ehemann ihrer kleinen behüteten Tocher so gar nicht klar kommt, ist das Chaos natürlich vorprogrammiert.

Ihm wurde der Tod durch Kulturschock prophezeit [Zitat]

Woody Allen ist wieder zurück in New York, zwar nur hinter der Kamera, aber es scheint als ob ihm die bissige englische Art seiner vorigen in den UK gedrehten Filme [Matchpoint, Scoop und Cassandras Traum] stark beinflusst haben. WHATEVER WORKS [→Trailer] ist eine noch bissigere Version des STADTNEUROTIKERS und glänzt mit einem brilliant verschrobenen Larry David in der Hauptrolle. Die Chemie zwischen Melody [Evan Rachel Wood], dem kleinen Dummchen aus den Südstaaten und dem Mißantrophen par excellence ist so umwerfend komisch, dass die 90 Minuten Laufzeit einer gefühlten Viertelstunde entsprechen. Allen macht sich über die bigotten Südstaatler ebenso lustig wie über die extrovertierten New Yorker, wodurch man ihm zumindest keine Einseitigkeit vorwerfen kann. Die Dialoge zünden, die Story ist großartig und obwohl der Film einen sehr kühlen und realistischen Blick auf die Liebe wirft, gehört er dennoch zum romantischsten was Allen in seiner ganzen Laufbahn geschaffen hat.
Nichts hält ewig, aber hauptsache es funktioniert, WHATEVER WORKS.


9/10 Mißlungenen Suiziden
Umwerfend komisch, tiefsinnig und teilweise unfassbar böse.

Review: 2012


Regie: Roland Emmerich
Darsteller: John Cusack, Amanda Peet, Thandy Newton
Buch: Harald Kloser
Studio: Sony Pictures

Nachdem ein indischer Wissenschaftler entdeckt, dass sich die Erdkruste rasant erhitzt und die Erde somit dem Untergang geweiht ist, werden von staatlicher Seite alle Hebel in Betrieb gesetzt um zu retten, was noch zu retten ist. Im Jahr 2012 ist es soweit, die Erdkruste löst sich von ihrem Kern und die Welt versinkt im Chaos. Inmitten dieser Apokalypse befindet sich der Schriftsteller Jackson Curtis [John Cusack] der seine Familie in Sicherheit bringen will.

Nichts neues im Westen

Der Export-Schwabe Roland Emmerich liefert mit 2012 [→Trailer] einen kalkulierten, finanziell völlig risikofreien Katrastrophenfilm, der in der ersten Hälfte durchaus zu gefallen weiss. Der Plot wird dem Zuschauer sehr spannend offeriert und die kleinen konspirativen Anspielungen von der Regierungsseite lassen auf einen gelungenen Film hoffen. Bereits nach einer halben Stunde beginnt dann Emmerich sein Feuerwerk zu zünden und man muss wirklich zugeben, dass einem die gezeigten Bilder den Atem rauben. In den Spezialeffekten steckt sehr viel Detailarbeit und sie wirken nicht leblos, da immer noch kleine persönliche Schicksale in besagten Szenen integriert sind.

John Cusack saves the day

Im Prinzip ist es aber Cusack zu verdanken, dass die erste Hälfte von 2012 so gut funktioniert, seine Symphatie trägt den Film über den routinierten Prolog. Woody Harrelson, Danny Glover und Oliver Platt sind nur einige von vielen bekannten Stars die eine kleine Rolle in 2012 besetzen, aber man fragt sich, wieso sich der sonst so großartige Zlatko Buric [Pusher] herablassen muss und solch ein klischeebeladenes Bild eines russischen Millionärs abgeben muss. Genau da sind wir nämlich beim Problem des Filmes angelangt. In der zweiten Hälfte verpufft das Interesse des Zuschauers völlig, die einzelnen Schicksale werden gänzlich aus dem Fokus verloren und es häufen sich viele Stereotypen über eine Regierung die über Leichen geht. Voller Klischees und durch lieblos aneinandergreihte "Wir-spielen-Titanic-Untergangsszenen" versinkt auch der Film im Einheitsbrei und schippert einem maßlos enttschäuschenden und an das US-Publklikum angepassten Konfektions-Happy-End zu.


4/10 verpufften Gasblaßen
Das einzige was in 2012 untergeht ist leider die Story

GESETZ DER RACHE


Regie: F. Gary Gray
Darsteller: Gerald Butler, Jamie Foxx
Buch: Kurt Wimmer

Hilflos muss ein Mann [Gerald Butler] zusehen, wie Einbrecher seine Frau vergewaltigen und diese dann zusammen mit ihrer Tocher auf grausame Art und Weise töten. Aufgrund mangelnder Beweise erhalten die Täter mildernde Umstände und werden nicht für ihre Taten bestraft. Von der abstrusen Rechtsprechung völlig entäuscht, nimmt der Vater das Recht selbst in die Hand und fügt jeder Figur in dieser Geschichte die gerechte [?] Bestrafung zu.

Ein Vater sieht Rot

Nein, es handelt sich nicht um einen Film mit Charles Bronson, auch wenn sich die Story verdächtig danach anhört. Regisseur F.Gary Gray [Verhandlungssache, Extreme Rage] hat einen Art Sampler von dem erstellt, was im Kino gerade gut ankommt: einen schonungslosen Rachefilm mit Foltersequenzen und grausamen Morden als Beilage. Leider geht er dabei sehr wirr vor: Einerseits wird der Vater als Identifikationsfigur eingeführt, was sich aber nachdem er seine Opfer mit Sägen und Zangen bearbeitet schnell wieder zerschlägt.

Eine sehr fragwürdige Moral

Drebuchautor Kurt Wimmer [Ultraviolet] kann unmöglich ernst meinen, was er dem Publikum da verzapft. Die sinnfreie und unlogische Handlungsweise des Vaters und die völlig unangebrachten Foltersequenzen machen LAW ABBIDING CITIZEN [→Trailer] zu einem der schwachsinnigsten und moralisch fragwürdigsten Filme seit THE PUNISHER mit Dolph Lundgren. Butler und Foxx spielen ihren Part jeweils überzeugend, können aber auch nicht verhindern, dass der Film besonders zum Ende hin zu einer unausgegorenen Mischung aus Moral- und Rachefilm wird. GESETZ DER RACHE ist unerträglich reaktionärer Schwachsinnn den man tunlichst meiden sollte.


2/10 enttäuschten Charles Bronsons
Lachhafter Rachefilm, der sich nach einem Publikum sehnt, dass nach jedem Mord gröhlen und klatschen sollte.