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Review: PERCY JACKSON


Regie: Chris Columbus
Darsteller: Logan Lerman, Pierce Brosnan, Sean Bean, James Coogan, Uma Thurman
Buch: Craig Titley nach einer Vorlage von Rick Riordan

Achtung, kommt ihnen das bekannt vor: Ein magisch begabter Junge wird zu seinem eigenen Schutz von seinen Eltern weggebracht um mit gleichartigen Jugendlichen in einer Art Erziehungsanstalt seine Fähigkeiten zu erproben. Dort kann er sich einer von vielen "Mannschaften" anschliessen um seinen Ausbildungspfad zu bestimmen.

Ein weiterer Harry Potter-Film?

Nein, Moment, Regisseur Chris Columbus hat zwar bei den ersten beiden Potter-Filmen Regie geführt, aber hier handelt es sich um PERCY JACKSON - DIEBE IM OLYMP [→Trailer]. Zugegeben, das ganze Szenario gewinnt durch seine griechisch-mythologischen Anspielungen zunehmend an Reiz, wenn Percy z.B. gegen eine perfekt animierte Hydra kämpft, deren Köpfe ständig nachwachsen oder Medusa [Uma Thurman] ihre Gegner zu Stein erstarren lässt. Insgesamt ist Mr. Jacksons Trip Odyssee aber recht lahm, die Story vom gestohlenen Meisterblitz, der unter Zeitdruck zurück ins Olymp gebracht werden muss, ist mehr als dünn gestrickt. Die Sidekicks in Form eines Satyrs [Halb Mensch, halb Ziege] und einer attraktiven Kampfamazone, verhelfen dem Film zwar zu einigen Schauwerten, aber letzenendes ertrinkt der Nachkömmling Poseidons in der dahin plätschernden Geschichte.

Starker Einstieg, schwache Fortführung...

Mit Stars wie Pierce Brosnan, Sean Bean und James Coogan ist PERCY JACKSON sehr prominent besetzt und profitiert auch von seinen sehr schönen Effekten. Der Einstieg in die Geschichte ist Chris Columbus recht gut gelungen nur leider flacht das Interesse des Zuschauers an der Story nach der Eröffnung des Hauptplots recht schnell ab. Der Film basiert auf einer gleichnamigen Romanreihe, die sich zwar nicht der Beliebtheit des kleinen Zauberschülers erfreut, aber rein marktwirtschaftlich gesehen versucht man sich offensichtlich ein Stück von dem Hype-Kuchen abzuschneiden. Insgesamt kein schlechter Film, aber auch kein wirklich guter! Gesehen und vergessen.


4/10 zu Stein erstarrten Zuschauern

Review: DANTE'S INFERNO


Regie: Mike Disa
Produktion: Joe Goyette, Cate Latchford
Buch: Brandon Auman

Von einer historisch korrekten Darstellung der Figur des Dante Alighieri kann man in diesem Fall wahrlich nicht sprechen. Der Poet wurde in dieser Version zu einem muskelbepackten, ramboesken Kreuzritter gemacht, der seine Verlobte Beatrice aus der Hölle befreien will und deshalb die 9 Kreise der Hölle durchschreiten muss. DANTES INFERNO [→Trailer] entstammt der Vorlage eines gleichnamigen Videospiels, was dem Film zu jeder Minute anzumerken ist.

Handlung, wo bist du?


Beginnt Dantes Abenteuer noch recht interresant, mutiert er doch recht schnell zu einem öden Gemetzel in dem computerspielartig ein Riesenmonster nach dem nächsten zerlegt wird. Das Design der Hölle und der darin umherkriechenden Kreaturen ist großartig, hier profitiert der Film eindeutig von seiner schön gestalteten Vorlage, die Animationen hingegen bewegen sich auf unterdurchschnittlichem Niveau [diese sehen in der hübschen HD-Version des Videospiels eindeutig besser aus]. DANTES INFERNO krankt leider an seiner sehr uninspirierten und flachen Umsetzung, man fragt sich wer hier als Zielgruppe gelten soll. Für Erwachsene ist die Geschichte viel zu eindimensional und schlicht, aber für Kinder ist der Film aufgrund seiner sehr drastischen Gewaltdarstellung ebenfalls nicht geeignet.

Eine interessante Idee, schlecht umgesetzt.

Die interessante Grundidee wurde in der Videospielvorlage zu einer sehr schönen und unterhaltsamen Odyssee gemacht, was man von diesem schnell produzierten Machwerk leider nicht sagen kann. Ein episodisch erzählter Film, der sich hinzieht wie zäher Kaugummi und dessen Ende wie eine Erlösung für den Zuschauer daherkommt.


2/10 unerlösten Filmminuten

MÄNNER DIE AUF ZIEGEN STARREN


Regie: Grant Heslov
Darsteller: George Clooney, Ewan McGregor, Jeff Bridges, Kevin Spacey, Stephen Lang, Robert Patrick
Buch: Peter Straughan

Ein Reporter stößt nachdem er von seiner Frau verlassen wurde durch Zufall auf ein geheimes Regierungsprojekt, in welchem Rekruten durch mentale Fähgikeiten zu Supersoldaten gemacht werden sollen. Zusammen mit einem Insider begibt er sich auf eine zugleich fragwürdige wie auch waghalsige Mission im Irak.

Der Dude will den Krieg beenden.

Wenn ein Film MÄNNER DIE AUF ZIEGEN STARREN [→Trailer] heisst, dann erwartet man einen skurilen Film. Im gegebenen Fall bewahrheitet sich diese Vermutung auch voll und ganz. In der Geschichte um nicht-tödliche Kriegsführung und Jediritter [!] findet ein bunter Bilderbogen aus durchgeknallten Charakteren jeglicher Sorte Platz. Jeff Bridges Darbietung als Hippie der die ganze US-Army auf den Kopf stellen will, George Clooney als verschrobener Psychosoldat A.D. und Kevin Spacey in der Rolle des fiesen, hinterlistigen Verräters machen THE MEN WHO STARE AT GOATS zu einer interessanten Parodie, die aus der Sicht von einem anfangs noch ungläubigen Reporter [dargestellt vom "echten" Jediritter Ewan McGregor] erzählt wird.

In diesem Film wurde keiner Ziege etwas zuleide getan.

Der Film spielt mit einem omnipräsenten Verschwörungswahn und führt einige Vermutungen und Theorien, was da draussen in der Welt wirklich passiert, völlig ad absurdum. MÄNNER DIE AUF ZIEGEN STARREN wird trotz Starbesetzung wohl kein großes Publikum erreichen, aber längerfristig hat er definitiv das Potential zu einem Kultfilm a la THE BIG LEBOWSKI zu avancieren. Alleine Jeff Bridges rare aber dennoch köstliche Perfomance rechtfertigen den Gang ins Lichtspielhaus.


7/10 für das Vaterland verendete Ziegen

Review: SHUTTER ISLAND


Regie: Martin Scorsese
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Mark Ruffalo, Ben Kingsley, Emily Mortimer, Michelle Williams, Max von Sydow, Patricia Clarkson, Jackie Earle Haley
Buch: Dennis Lehane

Martin Scorsese schaffte es mit seinem letzten Film DEPARTED nach jahrelangen Versuchen endlich den Oscar für die beste Regie zu ergattern. Da die Zusammenarbeit mit Leonardo Di Caprio in dem oben benannten Werk als überaus gelungen bezeichnet werden darf, scheint es ein Glücksgriff zu sein, dass Scorsese seinen nächsten Film SHUTTER ISLAND [→Trailer] ebenfalls mit ihm realisieren konnte. Bei SHUTTER ISLAND handelt es sich um einen reinrassigen Genrefilm, der zwar als Psychothriller durchgeht, aber in keiner Weise mit vorangegangen Scorsesefilmen dieses Genres [wie etwa Cape Fear - KAP DER ANGST] vergleichbar sind. Es handelt sich um ein sorgfältig chiffriertes Verwirrspiel mit dem Zuschauer, welches Minute für Minute mehr von seinen Mysterien preisgiebt. Es darf auf keinen Fall der Fehler begangen und zuviel über die Story im Internet recherchiert werden, da man sich sonst den Spass an diesem sehr gelungenen Film verderben würde.

Von der ersten bis zur letzten Minute: Spannung pur!


Der Film erzählt von der Ermittlungsarbeit des US-Marshals Teddy Daniels [Di Caprio] und seinem neuen Partner Chuck [überzeugend: Mark Ruffalo] auf der Psychatrie-Insel SHUTTER ISLAND, aber recht schnell wird klar, dass der eigentliche Fall nur ein Vorwand war um einen ungeahnten, weitaus größeren Mißstand aufzufdecken. Welche Rolle dabei der Leiter der Psychatrie [routiniert aber leider etwas blass: Ben Kingsley] und die ehemalige Angestellte der Anstalt [kurzer Auftritt, aber dennoch imposant: Patricia Clarkson] spielen, darf an dieser Stelle nur verschwiegen werden, aber die komplexe und gut durchdachte Story unterhält den Zuschauer durchgehend auf sehr hohem Spannungsniveau. Dem Film gelingt es, ebenso durch berührende Bilder und Rückblenden wie auch einer musikalischen Hommage an den klassischen Film Noir, eine beklemmende Atmosphäre mit überzeugendem Schauspiel zu verbinden. Die Besetzung ist ein wahrer Glücksgriff und inszenatorisch gab es schon lange keinen so intensiven Thriller mehr. Leonardo Di Caprio überzeugt auf ganze Linie und auch Mark Ruffalo [der nach der Meinung des Rezensenten das Potential hätte als moderner Marlon Brando durchzugehen] spielt auf sehr hohem Niveau. Durch sein unkonventionelle und nicht vorhersehbare Machart reiht sich SHUTTER ISLAND nahtlos in die legendäre Filmografie Scorseses ein und stellt sich an die Spitze des Genres.


9/10 verordneten Psychopharmakas

Ein Highlight 2010: Dieser einzigartige Film wurde in die Jahresliste der gelungensten Filme 2010 aufgenommen!