.

THE DESCENT PART TWO


Regie: Jon Harris
Darsteller: Shauna Macdonald, Natalie Jackson Mendoza, Krysten Cummings
Buch: James Watkins u.A.

THE DESCENT gehörte vor einigen Jahren zu einer modernen Horrorwelle, die einerseits durch etliche französische Beiträge begünstigt wurde [HAUTE TENSION, INSIDE etc.] andererseits aber auch mittels einiger großen Produktionen aus Übersee angekurbelt worden ist [Die beiden TEXAS-Filme, THE HILLS HAVE EYES etc.] Abgesehen von dieser begünstigenden Trendbewegung war DESCENT einfach ein sehr gut gemachter Film. Regisseur Neil Marshall [DOOMSDAY] schaffte es den Zuschauer in eine belemmende Stimmung von Klaustrophobie zu versetzen und ihn dann mit einigen sehr harten Sequenzen zu schockieren. Abseits von billigen Splatterproduktionen der 80er mauserte sich der gelungene Film zu einem Publikumserfolg. Dass es sich bei diesem ersten Teil um eine britische Produktion handelte wird oft übersehen, da seine Herkunft aufgrund der handwerklich perfekten Umsetzung eher auf eine teure Hollywoodproduktion schliessen lässt.

Das Gesetz der Serie.

Dass bei solch einem Erfolg ein Sequel unumgänglich ist, sollte klar sein, aber als konditionierter Cineast weiss man solche Machwerke [normalerweise] zu meiden [es gibt ja schliesslich keine Fortsetzungen zu den Genreklassikern WILD THINGS, LOST BOYS, JOHN CARPENTERS VAMPIRES, richtig?] Bei THE DESCENT 2 wäre dies auch fast der Fall gewesen, beinahe hätte man diesen Titel im Geiste als C-Ware in die Regale der Videothek vebannt, wenn da nicht viele Faktoren dagegen gesprochen hätten. Zum einen wurde das Drehbuch von James Watkins verfasst, der mit seinem gelungene Regiedebüt EDEN LAKE dem deutschen Schauspieler Michael Fassbender den Weg für seine Rolle in INGLOURIOUS BASTERDS geebnet hatte, dann sind auch noch viele Schauspieler aus dem ersten Teil mit von der Partie und die Handlung wird interessanterweise nahtlos weitererzählt [was sich aber in der Umsetzung eher als negativ herausstellte, s.u.].

Das Sequel zu einem gelungenen Genrefilm.

Ist THE DESCENT PART TWO nun gelungen? Mitnichten! Abgesehen davon, dass der Film dem exakten Muster des ersten Teils folgt, sprüht er nur so vor schwachen Darstellern und ärgerlichen Drehbuch-Faux-Pas! Den Charkteren werden künstliche Konflikte untereinander aufgezwungen, die gegen Ende hin immer unglaubwürdiger werden und die eigentliche Handlung [?] völlig vergessen lassen. Die spannenden Begegnungen mit den hoffnungslos überlegenen Höhlenbewohnern aus dem ersten Teil mussten im Sequel blutverschmierten und unspannenden Kämpfen mit hohem Bodycount weichen. So werden im Gegensatz zum Vorgänger etliche Orks, pardon Höhlenmutanten, gemetzelt wodurch diese natürlich nicht mehr ansatzweise so bedrohlich wie im ersten Teil wirken. Abgesehen davon wirkt schon die erste Charakterwandlung der letzen Überlebenden aus Teil eins völlig unglaubwürdig, denn kurz nachdem Sie völlig eingeschüchtern in die Höhle genötigt wird, mutiert sie rasch zur furchtlosen und abegbrühten Kampfamazone, hinzu kommt eine schreckliche Schlusspointe, die in ihrer Banalität und Trashigkeit hoffnungslos fehlplatziert wirkt.

Ausser Spesen nichts gewesen.

Prinzipiell muss man hintenfragen, ob der Drehbuchautor[bzw. die drei [!] Autoren] den ersten Teil überhaupt gesichtet haben, denn THE DESCENT gibt es KEINE Überlebenden, die vermeintliche Rettung stellt sich in der finalen Szene als Traumsequenz heraus, insofern ist dieser gesamte zweite Teil völlig hinfällig. Eigentlich schade, denn man sieht der englischen Produktion sein verhältnismäßig hohes Budget in jeder Szene an. THE DESCENT PART TWO stellt sich als solide Fliesbandware mit unterdurchschnittlichen Schauspielern, aber gelungener audiovisueller Umsetzung heraus heraus. Trotz Fortführung der Geschichte wird die Handlung des ersten Teil lediglich kopiert, kommt dabei aber weder stimmungstechnisch noch filmisch nicht an den ersten Teil heran.


3 von 10 fauchenden Latexfetischisten

PRECIOUS


Regie: Lee Daniels
Darsteller: Gabourey Sidibe, Mo'Nique, Paula Patton
Buch: Geoffrey Fletcher, Sapphire

Claireece Jones schlägt sich durch ein trauriges und von Hass bestimmtes Leben. Sie lebt mit ihrer Mutter unterhalb der Armutsgrenze in einer Sozialwohnung, trägt gerade das zweite Kind ihres Vaters nach mehrfacher Vergewaltigung [!] aus und ist zudem noch Analphabetin. Die stark übergewichtige Jugendliche, auch Precious genannt, wird von ihrer Mutter nur beschimpft und dazu gezwungen so schnell wie möglich "Welfare" [vergleichbar mit "Sozialhilfe" in Deutschland] zu erbetteln um ebenfalls davon leben zu können. In diesem Kreis aus Gewalt, Hass und totaler Resignation hat Claireece komplett vergessen, was es heist sich selbst schätzen zu lernen.

It was the first Time I speak in a class, now it makes me feel "here" [Zitat]

PRECIOUS - BASED ON THE NOVEL PUSH BY SAPHIRE ist ein absoluter Grenzgänger, völlig ungeschönt gewährt einem dieses zugleich ambitionierte wie auch unterhaltsame Sozialdrama Einblick in ein radikales von Armut und Rassenvorurteilen dominiertes Leben. Dieser Film tut weh, er setzt an einigen sehr schmerzhaften Punkten an und spart kein problematisches Thema aus. So erleben wir die kleine Precious, wie sie sich in ihre Traumwelt flüchtet, während sie von ihrem Vater vergewaltigt und von ihrer Mutter geschlagen wird. Der Film hat sehr schöne und liebevoll gemachte Passagen, in denen auf gekonnte Art und Weise das Umfeld von Harlem beschrieben wird, aber auf diese Abschnitte folgen geradezu albtraumhafte Momente, die in einem Finale münden, welches den Zuschauer absolut fassungslos zurücklässt. Mo'Nique in der Rolle der Mutter ist geradezu beängstigend gut, sie erhielt verdienterweise den Oscar für diese Darbietung, aber auch Gabourey Sidibe spielt den Part der Precious dermassen überzeugend, dass man annehmen könnte, bei diesem Film handle es sich um ein dokumentarisches, respektive autobiografisches Werk.

Ein Funken Hoffnung in der totalen Finsternis

In Amerika musste sich der Film dem Vorwurf stellen, eine Art "Poverty Porn" abzugeben, aber nach dem völlig verzerrten und verklärenden Unsinn THE BLIND SIDE ist ein Film wie Precious fast schon als Notwendigkeit zu bezeichnen, da hier quasi alle Thesen aus diesem Film widerlegt werden. PRECIOUS erzählt letztenendes die Geschichte einer maltätierten Seele, die sich durch eine grausame Welt kämpft und dabei immer wieder auf einige helfenden Hände stößt. Diese Lichtblicke wirken im Kontrast zum grausamen Schicksal von Precious noch viel stärker und ziehen den Zuschauer in einen Sog aus Emotionen. Leider hatte es der Film in Deutschland sehr schwer einen Verleih zu finden, was man der mäßigen Synchronisation nur allzusehr anmerkt. Um die volle Authetizität zu erleben, sollte man sich dieses Filmjuwel tätsächlich im O-Ton ansehen.

Der Härteste Film seit MENSCHENFEIND, aber zugleich fast so schön wie DIE FABELHAFTE WELT DER AMELIE.


9/10 aufgegebenen Träumen

Ein Highlight 2010: Dieser einzigartige Film wurde in die Jahresliste der gelungensten Filme 2010 aufgenommen!