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THE TOWN - STADT OHNE GNADE


Regie: Ben Affleck
Drehbuch: Sheldon Turner, Chuck Hogan, Peter Craig
Kamera: Robert Elswit
Musik: Harry Gregson-Williams, David Buckley
Darsteller: Ben Affleck, Chris Cooper, Jeremy Renner, Rebecca Hall, Jon Hamm, Blake Lively

Ein Gangstertrio, darunter Doug McRay [Ben Affleck], begeht einen Banküberfall, und kommt mit der Beute davon. McRay verliebt sich in einer zufälligen Begegnung in Filiallleiterin der überfallenen Bank, da er allerdings maskiert war erkennt sie ihn nicht und die Beiden beginnen eine leidenschaftliche Beziehung, welche das Gangsterleben McRay's auf eine Harte Probe stellen wird.

Berufswunsch: Bankräuber!

Bankräuber im Film gibt es schon so lange wie das Medium Film selbst. Eigentlich der beste erbrachte Beweis für das Bedürfnis des Menschen nach Realitätsflucht. In einem Film kann ein Bankräuber die Identifikationsfigur, der Held sein, im realen Leben hingegen bestenfalls ein Antagonist - sprich ein Gauner. Ben Affleck, der schon mit seiner ersten Regiearbeit [GONE BABY GONE] überraschte, schafft mit seinem aktuellen Werk THE TOWN einen spannenden Vertreter des Heist-Movies. Stilistisch lässt sich sein Film am ehesten mit HEAT aus dem Jahre 1995 vergleichen, ähnlich dramatisch sind die inneren Konflikte der Figuren und vergleichbar sind auch die gelungenen Actionsequenzen.

Hände Hoch, das ist ein Überfall...auf ihre Nerven!

Ganze drei Bankräube werden dem Zuschauer beschert, und dass ohne Langeweile zu produzieren, im Gegenteil, gerade in seinen lauten Momenten funktioniert THE TOWN am besten, dann wenn die Coups geplant und ausgeführt werden, innere Spannung entsteht durch die Konstellationen der Figuren, womit der Film interessant umzugehen weiss. Prinzipiell bietet THE TOWN nichts Neues im Genre, aber das was er zeigt, kann durchaus als perfektioniert angesehen werden. Schauspielerisch punktet THE TOWN vor allem mit John Hamm [MAD MEN] in der Rolle des ebenbürtigen Ermittlers und Rebecca Hall [VICKY CHRISTINA BARCELONA] als Opfer und Geliebte zugleich. Zwar blendet der Film an entscheidenden Stellen einige moralische Fragen aus und die Figurenzeichnung ist nicht annähernd so präzise wie in Michael Manns HEAT, aber dafür kann THE TOWN mit seiner sehr rasanten und mitreissenden Machart das Publikum ins Schwitzen bringen.


8/10 gelungenen Coups

UNDER THE MOUNTAIN


Regie: Jonathan King
Buch: Jonathan King
Darsteller: Matt Gillanders, Bruce Hopkins, Sam Neill

Man stelle sich Folgendes vor: PHANTASM trifft INVADERS FROM MARS, angereichert mit einer Prise Stephen King. Auf dem Papier liest sich diese Kombination recht unterhaltsam, und auch die gesamten äusseren Umstände sprechen für ein ambitioniertes Projekt: Effekte von WETA [LORD OF THE RINGS], ein bekannter Darsteller [Sam Neill aus EVENT HORIZON und DAYBREAKERS] und das ganze spielt dann auch noch im schönen Neuseeland...

Ein Sci-fi-Blockbuster aus Neuseeland?

Das ist dann leider doch zu schön um wahr zu sein, bereits nach der 5. Filmminute wünscht man sich eine Alieninvasion, welche die beiden schrecklich unbegabten und sichtlich überforderten Hauptdarsteller auf einen anderen [möglichst fernen!] Planeten verschleppt. Leider kommen noch viele andere Peinlichkeiten hinzu, die den Film völlig ungeniesbar machen: Die Dialoge bewegen sich meist unterhalb der Pornofilm-Dialog-Grenze, die Story ist gelinde gesagt: "Alienkacke" und [jetzt das Schlimmste!] Sam Neill bietet die mit Lichtjahre-Abstand mieseste Performance seiner Laufbahn.

Ein Desaster ohne Einschränkungen!

Das Design der Kreaturen ist munter [und auch sehr frech!] von PHANTASM bis ALIEN zusammengeklaut, was aber zu verschmerzen gewesen wäre, wenn nicht auch noch das Ende regelrecht Brechreiz verursachen würde. Das Einzige was als halbwegs gelungen bezeichnet werden könnte, ist die technische Ausführung der Effekte, dort bewegt sich der Film wirklich auf solidem B-Niveau, aber ansonsten ist UNDER THE MOUNTAIN aufgrund seiner mieserablen Schauspieler und wirklich abgefahren mülltonnen-gerechten Story fast schon wieder eine Empfehlung wert, man muss es gesehen haben um es zu glauben.


1/10 Motherfuckers from Space

EIN SOMMER IN NEW YORK


Regie: Thomas McCarthy
Darsteller: Richard Jenkins, Haaz Sleiman, Danai Jekesai Gurira
Buch: Thomas McCarthy

Wenn es bei der letztjährig in den Lichtspielhäusern gelaufenen Nicholas Sparks Verfilmung DEAR JOHN - DAS LEUCHTEN DER STILLE etwas Nennenswertes gab, dann war es die authentische Darstellung von Richard Jenkins in der Rolle des autistischen Vaters. In THE VISITOR ist es auch zu einem Großenteil seine Leistung, dass man von dem erzählten Schicksal berührt wird. Als introvertierter Professor gelingt es ihm meisterhaft das Aufblühen seiner Figur darzustellen. EIN SOMMER IN NEW YORK überzeugt aber auch durch seine aufwühlende und zugleich feinfühlige Geschichte, Abschiebung ist gerade in den Vereinigten Staaten ein Thema, das oft nur aus einer Perspektive wahrgenommen und oftmals polemisiert wird.

Kurz gesagt: Geheimtipp!

Eine seltene Gabe, wenn es ein Film schafft, seine Charaktere durch stille Gesten und eben nicht ausgesprochene Gefühle zum Leben zu erwecken. Der Film ist angenehm unaufdringlich, vermeidet emotionales Pathos und erzählt vom vergeblichen Kampf gegen eine herz- und hirnlose Bürokratie, ein Umstand der auch in unseren Landen nicht sehr fern scheint.


9/10 übersehenen Schicksalen