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THE KILLER INSIDE ME


Regie: Michael Winterbottom
Buch: John Curran nach Jim Thomson
Darsteller: Casey Affleck, Jessica Alba, Kate Hudson, Bill Pullman

Noir-Autor Jim Thomson schrieb indirekt schon an einigen markanten Kapiteln der Filmgeschichte mit. So stammen von ihm die Vorlagen zu Filmen wie GETAWAY [mit Steve McQueen], GRIFTER [von Stephen Frears] oder eben 1976 der Film THE KILLER INSIDE ME nach der Vorlage des gleichnamigen Buches. Schon Stanley Kubrick war sehr interessiert an einer Verfilmung dieses Werkes. Das nun besprochene Remake von Arthousefilmer Michael Winterbottom [WONDERLAND, 9 SONGS] lief dieses Jahr auf dem Sundance Filmfestival und sorgte für einen Sturm der Entrüstung.

Ein ermittelnder Psychopath

In den stillistisch hervorragend gefilmten Bildern wird die Geschichte eines Psychopathen [Casey Affleck] erzählt, der durch das Fehlen jeglicher Menschlichkeit eine grausame Kette der Gewalt auslöst und das Leben einiger Menschen buchstäblich zerstört.

Its all in the Family...

THE KILLER INSIDE ME ist ein zweischneidiges Schwert, ästhetisch und schauspielerisch auf hohem Niveau, inhaltlich aber stets zwischen Ekel und Belanglosigkeit schwankend. Casey Affleck spielt seinen Part als unberechenbaren Soziopathen perfekt, seine unschuldige Miene und das kaum zu dechiffrierende Genuschel [hier sei der O-Ton mit Untertitel ans Herz gelegt] verleihen dem unerklärlichen Schrecken ein sehr markantes Gesicht. In den Nebenrollen überzeugt besonders Bill Pullman in einem [sehr kurzen aber] starken Auftritt. Winterbottom hüllt seine grausame Geschichte in wunderschöne Bilder, überzeugt durch die gelungene Auswahl einzelner Musikstücke und macht fast ein Zeitdokument aus der Killerstory.

Ein Killer ohne Herz.

Nun aber zu den Problemzonen des Films: Zuallererst muss man einen starken Magen haben, denn was in diesem Film an Gewalt [vor allem gegen Frauen] ausgeübt wird, ist kaum auszuhalten - es wird oft mehr gezeigt als notwendig gewesen wäre. Gewalt und Schrecken können auch im Kopf der Zuschauer erschaffen werden, diese suggestive Eigenschaft scheint Winterbottom seinem Publikum leider nicht zuzutrauen. Desweiteren lässt der Film tiefere Einblicke in die Psyche seines Protagonisten vermissen, zwar werden in kurzen Sequenzen Motive aus der Vergangenheit angedeutet, aber diese sind stets einer sehr stereotypen Natur und rücken den Film zuweilen in eine recht trashige Ecke. Das opernhafte Finale unterstüzt diesen Eindruck noch mehr und macht THE KILLER INSIDE ME zu nichts mehr als einem B-Film im A-Film-Gewand. Wäre der Film mit den stilistischen Mitteln eines Tarantino-Grindhousefilms [zerkratzes Bild, Flackern, Tonaussetzer] gedreht worden, so hätte man womöglich eine geeignetere formale Präsentationsform für diese Geschichte gefunden. Zusammengefasst:eine extrem gewaltätige Sex and Crime Story, passioniert gespielt aber herzlos inszeniert. Winterbottom hätte wohl gerne einen AMERICAN PSYCHO geschaffen, ist aber an diesem hohen Anspruch gescheitert. Trotzdem kein schlechter Film!


5/10 umsonst gestorbenen Sherrifs