.

SAW 1-7 Gesamtbesprechung


Regie: James Wann, Darren Lynn Bousman, David Hackl, Kevin Greutert
Darsteller: Tobin Bell, Cary Elwes, Donnie Wahlberg, Costas Mandylor, Sean Patrick Flanery

Dr. Lawrence Gordon und Adam Faulkner wachen in einem heruntergekommenen Badezimmer auf und sind in gegenüberliegenden Ecken festgekettet. Eine gewöhnliche Handsäge bietet ihnen eine schmerzhafte Option auf ihre Freiheit... So beginnt SAW, eine Filmreihe, die in der siebten Folge endlich ihr Finale erreicht hat. Was als kleiner interessanter Independentfilm begann hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem finanziell erfolgreichen Horrorfranchise entwickelt und das Genre des zeitgenössichen Horrofilms maßgeblich geprägt. Zunächst eine kurze Besprechung der Puzzelstücke im Einzelnen:



SAW I
Mit verhältnismäßg geringem Budget wurde SAW zum Überraschungshit und brachte eine große Reihe an cineastischen Nachahmungstätern ins Rollen. Das perfide Spiel des Serienmörders Jigsaw ist eine gelungene Remineszenz an zahlreiche Horroklassiker und bietet aufgrund der eigenen Handschrift und der frischen Ideen durchaus großes Spannungspotential. Zwar werden die Figuren des Filmes stark vernachlässigt, dieser Makel wird jedoch von den starken Ideen der einzelnen Torturen ausgeglichen. SAW bescherte dem ausgelaugten und mittlerweile ideenlosen Serienkillerfilm eine Frischzellenkur und lässt den Zuschauer buchstäblich selbst mitleiden. Die Darstellung der Gewalt ist hier - im Gegensatz zu den Fortsetzungen - noch nicht ganz so grafisch und setzt mehr auf die Kraft der Suggestion. Dieser erste Teil war ursprünglich nicht auf eine Fortsetzung angelegt, dennoch wurde SAW zu einer mehr oder minder gelungenen und gewinnbringenden Horrorreihe.



SAW II
Der rasch produzierte zweite Teil ist wohl der schwächste Teil der Reihe, inszenatorisch kopiert der Film seinen Vorgänger und bietet ledigliche eine einfallslose Aneinanderreihung grausamer Foltersequenzen ohne dramaturgische Überraschungen. Von der Finesse des ersten Teils ist hier nichts mehr zu spüren, lediglich die Einführung eines neuen Charakters, Amanda, ist für den weiteren Verlauf der Reihe von Bedeutung. Der hier neu eingesetzte Regisseur Darren Lynn Bousman führte ebenfalls bei Teil Drei und Vier Regie.



SAW III
Der dritte Teil der SAW-Reihe ist wohl der mit Abstand brutalste Abschnitt und markiert zugleich das Ende des Serienmörders Jigsaw. Langsam entfalten sich die dramaturgischen Möglichkeiten und die Puzzelteile der Filmreihe beginnen sich zu einem großen Bild zusammenzusetzen. Interessant ist hier die Miteinbeziehung der vorangegangen Filme und die dramaturgischen Verflechtungen zu ihnen. Zwar liegt hier der Fokus eindeutig auf der grafischen Darstellung von Gewalt - stellenweise blitzen aber interessante Ansätze in der untergeordneten Krimihandlung auf. Etwaige Komplizen und deren Motivation sollen für die Reihe noch von großer Bedeutung werden.



SAW IV
In den für die SAW-Reihen typischen Rückblenden wird nun ein gänzlich neues Gefahrenpotential aufgedeckt und das große Werk Jigsaws der Vollendung ein Stück näher gebracht. Leider wird der Fokus auch in diesem Teil viel zu sehr auf die Abscheulichkeit der brutalen Fallen gelegt - das gut ausgenutzte Spannungspotential der polizeilichen Ermittlungsarbeit hingegen rettet den Film über weite Strecken. Der Mangel an einer Identifikationsfigur erschwert den Zugang zu diesem Film erheblich.



SAW V
Der fünfte Teil ist der wohl mit Abstand stärkste Teil der Reihe. Die Splattereffekte sind hier ausnahmsweise nicht selbstzweckhaft eingesetzt und die Kriminalhandlung weiss durchaus zu fesseln. Dieser Film verdeutlicht, dass das wahre Protential der Reihe nicht zwingend in der Erfindung neuer und immer grausameren Fallen liegt, sondern die Verschwörung im Hintergrund und die Täuschung des Zuschauers die wahre Stärke von SAW darstellt. Auch hier wird in Rückblenden ein bemerkenswertes Netzwerk zu den Vorgängern geschaffen und die Motivation Jigsaws umso mehr verdeutlicht. Dieser Teil wurde von den Kritikern interessanterweise am schwächsten aufgenommen, was zur Folge hatte, dass man sich für einen Wechsel im Regiestuhl entschied und David Hackl sein Zepter an Kevin Kreutert abgeben musste.



SAW VI
Prinzipiell hat der sechste Teil der Reihe nichts Neues mehr hinzuzufügen, Fans der Serie bietet er weitere interessante Einblicke in die Vorgeschichte und die Motivation der Komplitzen und lenkt die Schienen langsam aber sicher Richtung Finale - Das Ende des Filmes enttarnt den wahren Übeltäter [dessen Identität man als Zuschauer schon nach dem vierten Teil kennt] und zwingt ihn zu Schritten, welche das Werk Jigsaws endgültig beenden werden.



SAW VII
In seinem letzten Plan entlarvt Jigsaw postmortem einen Schwindler, der vorgiebt ein Überlebender seiner perfiden Fallen zu sein und Kapital aus seiner erfundenen Biografie zu schlagen versucht. Das Finale der SAW-Reihe wirkt zuweilen etwas überkonstruiert, lässt man sich jedoch darauf ein, so bringt SAW 7 - VOLLENDUNG die Reihe auf zufriedenstellende Art und Weise zu Ende und involviert noch einmal viele Charaktere der Vorgängerfilme. Der eigentliche Plot kommt hier zwar etwas zu kurz, dennoch rundet der Film die Saga auf spannende und hochwertig gefilmte Art und Weise ab.



Fazit:
Das größte Plus von SAW ist wohl die durchweg gelungene Darstellung von Tobin Bell in der Rolle von Jigsaw, aber auch sein späterer Komplize [der an dieser Stelle natürlich namenlos bleibt] überzeugt auf ganzer Linie. Man kann der Filmreihe vorwerfen, dass die Charaktere oft vernachlässigt werden, an Spannung fehlt es jedoch trotzdem nie. Die Splattereffekte sind alle mittels purem Handwerk erstellt worden und dementsprechend auch sehr wirkungsvoll ["gelungen" wäre wohl ein unpassendes Attribut]. In der Rolle des Zuschauers fiebert man bei der ausführlichen Inszenierung sämtlichen Fallen mit und wird immer wieder aufs neue an die eigenen Belastungsgrenzen geführt. Diese Sequenzen führten auch zu einer langen Zensurgeschichte in Deutschland, dem folgten Indizierungen, Beschlagnahmungen und eine große mediale Aufmerksamkeit aufgrund der überdeutlichen Gewaltdarstellung, was den Zugang zu den ungekürzten Fassungen der einzelnen Filme erheblich erschwert. Man muss SAW 1-7 in kurzer Folge sehen um sämtliche dramaturgischen Zusammenhänge zu verstehen. Natürlich sind die Filme in erster Linie für Freunde der blutigen Unterhaltung gemacht - abseits dieser möglichen Rezeptionsweise bietet der Film in seiner Kriminalebene interessante Überraschungseffekte und hält des öfteren einen "Aha-Effekt" bereit, wie man ihn nur in TV-Serien wie beispielsweise DEXTER oder BREAKING BAD vorfindet. Vielleicht hätte SAW ohnehin besser als Fernsehserie funktioniert, nichtsdestotrotz kann man ruhig einen Blick auf diese Filmreihe riskieren - einen starken Magen vorrausgesetzt. Für eine siebenteilige Filmreihe, dessen einzelne Filme in solch einer kurzen Abfolge gedreht wurden, ist die Qualität der Reihe durchaus beachtlich.


6/10 Eimern Kunstblut

INTO THE WHITE NIGHT


Regie: Park Shin Woo
Buch: Park Shin Woo, Park Yeon Seon
Darsteller: Han Suk Kyu, Son Ye Jin, Go Soo

Nach vierzehn Jahren nimmt Detective Jo Min Woo [Han Suk Kyu aus THE SCARLET LETTER] die Ermittlungen in einem ungeklärten Mordfall wieder auf. Eine junge Frau und ein Mann waren im Kindesalter in diesen Fall involviert, dennoch konnte ihnen nie eine Verbindung zur Tat nachgewiesen werden. Jo Min Woo stößt bei seinen erneuten Recherchen buchstäblich auf immer tiefer wuchernde Wurzeln und deckt unerwartete Motive zu einem mysteriösen Verbrechen auf.

Nichts ist wie es scheint!

Park Shin Woo's [Second Unit-Direktor bei THE CHASER] Regiedebüt WALK INTO THE WHITE NIGHT ist ein sehr düsteres und melancholisches Krimi-Puzzle, welches sich erst spät zu einem greifbaren und verständlichen Bild zusammensetzt. Die zeitlichen Sprünge zwischen dem Zeitpunkt des Mordes und den Ermittlungen in der Gegenwart erleuchten den Hintergrund der komplexen Beziehung der beiden Hauptcharaktere Schritt für Schritt. Dem Film gelingt es dabei die Spannung stets aufrecht zu erhalten und auch auf der emotionalen Ebene stark zu berühren, was nicht zuletzt an der gelungenen Darstellung von Son Ye Jin und Go Soo in den Rollen der beiden Involvierten liegt. Der Einfluss, den das Verbrechen auf ihr Leben genommen zu haben scheint, wird ausdrücklich und mitreissend geschildert. WALK INTO THE WHITE NIGHT geht sehr freizügig mit der Darstellung nackter Körper um, was im koreanischen Kino durchaus als skandalös zu bezeichnen ist - heikle Themen wie Kindesmißbrauch und Vergewaltigung werden hier offen behandelt - dennoch muss sich der Film keinesfalls dem Vorwurf stellen dies selbstzweckhaft auszunutzen. Trotz seiner kritischen Elemente ist der Film kein Explotationfilm sondern ein berührendes, trauriges und zugleich düsteres Krimidrama. Baekyahaeng [koreanischer Originaltitel ist eine weitere Perle des zeitgenössischen koreanischen Kinos und dürfte ein Fest für jeden Freund des Krimis und der Tragödie sein. Neben MOTHER [Besprechung hier] der gelungenste koreanische Import aus dem Jahr 2009!

Eine Seltene Perle


Baekyahaeng basiert auf dem gleichnamigen japanischen Roman und war im November 2009 ein großer Hit in den koreanischen Kinos. Der Film ist ausschliesslich in der Originalsprache mit englischen Untertiteln verfügbar, eine synchronisierte Veröffentlichung scheint eher unwahrscheinlich, da sich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten [wiedereinmal] die Rechte an einem Remake gesichert hat - ob die sexuellen Tabubrüche in amerikanischen Kinos exakt so wiedergegeben werden, darf an dieser Stelle jedoch bezweifelt werden.


9/10 Tabubrüchen

MACHETE


Regie: Robert Rodruigez
Buch: Robert Rodruigez
Darsteller: Danny Trejo, Jeff Fahey, Robert de Niro, Jessica Alba, Michelle Rodruigez, Steven Segal, Lindsay Lohan

Im Jahr 2006 brachte Quentin Tarantino und Robert Rodruigez zwei Filme im Rahmen ihres Projektes GRINDHOUSE in die Lichtspielhäuser: DEATH PROOF und PLANET TERROR. In den USA liefen diese beiden Streifen im Doppelpack und wurden von einer fiktiven Trailershow begleitet. MACHETE war unter anderem Einer dieser inszenierten Trailer und überzeugte durch völlig überzogene Splattereffekte und einen irrwitzigen [nicht vorhandenen!?] Plot. Dieser Kurzfilm erfuhr eine sehr positive Resonanz, was Rodruigez [DESPERADO, FROM DUSK TILL DAWN, SIN CITY], dazu brachte seiner Figur MACHETE eine ganz Filmtrilogie zu widmen.

Ein altbekanntes Konzept


GRINDHOUSE war ein sehr interessantes filmisches Experiment und löste eine ganze Welle von Explotationfilme aus. Tarantino und Rodruigez haben den Charme einer ganze Ära des schmuddeligen Billig-Actionfilms erkannt und mit sehr viel Selbstironie in ihre Beiden mehr oder minder gelungenen Filmsegmente eingewoben. MACHETE knüpft einige Jahre später an diese Konzept an - nun stellt sich allerdings die Frage: Hat der Film seinen Vorgängern etwas Neues hinzuzufügen?

Zwischen Hommage und Satire

Die Geschichte ist bei diesem Genrefilm natürlich völlig zweitrangig, die überdeutlichen Splattereffekte und die knallige Action stehen hier eindeutig im Vordergrund. MACHETE alias Danny Trejo überzeugt durch seine wortkarge, aber dennoch schneidige [!] Form der Kommunikation. Die Action kracht, das Blut spritzt, die Mädels sparen oft an unnötigem Stoff und Rodruigez konnte mit Steven Segal, Jeff Fahey und Robert de Niro [!] auf eine exzellente und lustvoll spielende Darstellerriege zurückgreifen

Zu früh gefreut!

Leider zündet der Film nicht wirklich, MACHETE schreit von Anfang an "Ich will ein Kulfilm sein", geht aber viel zu großzügig mit seinen trashigen Versatzstücken um. Rodriugez fügt seinem Hit PLANET TERROR nichts Neues hinzu, sondern kopiert nur seinen eigenen Stil. Man hat sich sichtbar bemüht eine Handlung um den einstigen Fake-Trailer zu schneidern, das Ergebnis sieht allerdings sehr bemüht aus. Für einen bierbetonten Abend reicht MACHETE allemal, aber "Kult" lässt sich nun einfach nicht nach Plan generieren, sondern wird durch die Umstände seiner Zeit geformt. Der Fake Trailer zu MACHETE rockt gewaltig, der Film selbst ist eher unnötig und langweillt recht schnell.


4/10 Stumpfen Macheten

Hier der FAKE-Trailer [der einem das "Full-Feature" erspart]: