.

WALLSTREET 2


Regie: Oliver Stone
Buch: Alan Loeb
Darsteller: Michael Douglas, Shia LaBeouf, Carey Mulligan, Susan Sarandon, Eli Wallach

WALLSTREET, Oliver Stones kritische Bestandaufnahme der Börse aus dem Jahre 1987, gilt wohl zurecht als einer der ganz großen Klassiker der Filmgeschichte - hier stimmte einfach alles! Wie so oft gilt auch hier: ein gelungenes Werk sollte man am besten in Frieden ruhen lassen, besonders wenn solch ein katastrophaler Humbug wie WALLSTREET 2 - THE MONEY NEVER SLEEPS verzapft wird.

Wallstreet - Rest in Peace

Woran liegt es, dass Oliver Stones neuester Film völlig in die Hose gegangen ist? Zunächst muss man dem Regisseur den Hang zur absoluten Oberflächlichkeit attestieren. Es fängt damit an, dass man als Metapher für den Zusammenbruch des Aktienmarktes tatsächlich das einfallslose Bild einer zerplatzenden Seifenblase findet. In diesem Film wird das Internet noch mit bunten Tunneln und leuchtenden Buchstaben, welche sich auf den Gesichern der Menschen spiegeln, dargestellt. Überhaupt sieht der ganze Aktienmarkt so aus als wäre er dem 1995er Filmchen HACKERS entsprungen - Hier mangelt es auf der einen Seite an Glaubwürdigkeit, auf der anderen Seite fühlt man sich durch die hölzerne Symbolik schlicht und einfach veräppelt. Oliver Stone gibt Aktualität vor, indem er seine Handlung um die Bankenkrise bastelt, dies mutet aber dermassen konstruiert und hölzern an, dass man sich als Zuschauer einfach nicht ernst genommen fühlt. MONEY NEVER SLEEPS leidet unter einer überdeutlichen Symbolik so dass von einer subtilen Machart keine Rede mehr sein kann. Was im Original noch ein kritischer Blick hinter die Fassaden der Börse war, weicht hier einer lustlos heruntergekurbelten Seifenoper ohne Struktur und Spannung. Shia LaBeauf [TRANSFORMERS 1-28] gibt den furchtbar unsympathischen und einfältigen Jung-Broker und ist dabei sichtbar überfordert, während Josh Brolin [NO COUNTRY FOR OLD MEN] in der Rolle des Instant-Bösewichts die wohl eindimensionalste Performance seiner Karierre gibt.

Ein Punkt geht an den Soundtrack

Der Film wird über die lange Spielzeit von über zwei Stunden einfach schrecklich langweillig, was an der konfusen und oft belanglosen Geschichte um Rache und Beziehungen liegt, da hilt auch ein prätentiös aufgedrängtes Motorradrennen oder der kurze Gastauftritt von Charlie Sheen nicht mehr. Das einzig sehenswerte [bzw. hörenswerte] ist der tolle Soundtrack von Brian Eno und Talking Heads-Frontmann David Byrne. Noch eine kleine Botschaft zum Schluss: Lieber Oliver Stone, nach so furchtbaren Streifen wie ALEXANDER, WORLD TRADE CENTER oder nun auch WALLSTREET 2 - THE MONEY NEVER SLEEPS, wäre es doch endlich mal Zeit in den Ruhestand zu gehen. Bitte tue uns diesen Gefallen.


1/10 Börsencrashs

THE SOCIAL NETWORK


Regie: David Fincher
Darsteller: Jesse Eisenberg, Justin Timberlake, Andrew Garfield, Joseph Mazzello
Buch: Aaron Sorkin

Schon im Vorfeld sprach man von David Finchers Film als "DER PATE einer neuen Computergeneration". Kann der Film über die Erfolgsgeschichte des Internetphänmens "Facebook" diesen hohen Anspruch einlösen? Zunächst muss man Eines feststellen: THE SOCIAL NETWORK ist keine Glorifizierung des Mythos "Mark Zuckerberg", sondern wirft einen sehr differenzierten Blick hinter die Geschehnisse der Schöpfung eines gigantischen Massenphänomens. Letztenendes bezieht der Film keine Stellung und Fincher [SIEBEN, FIGHT CLUB, DER SELTSAME FALL DES BENJAMIN BUTTON] wagt es nicht ein urteilendes Fazit aus der Geschichte zu ziehen, man kann es ihm sogar sehr hoch anrechnen, dass die Figuren seines Filmes fast durchweg als Unsympathen dargestellt werden.

Der Drang nach Vernetzung


Dramaturgisch kämpft der Film etwas um sich die vollen 120 Minuten über Wasser zu halten. Es gelingt David Fincher zwar ein [fast] spannendes Shakespeare-artiges Drama über Liebe und Erfolg zu knüpfen, aber die Geschichte die dahinter steht wirkt zuweilen etwas künstlich aufgeblasen. Trotzdem ist THE SOCIAL NETWORK der erste gelungene Startup-Film der nächsten Generation [nach einigen sehr kruden und geradezu haarsträubenden Versuchen - man denke nur an die Bill Gates-Parodie STARTUP.COM mit Tim Robbins]. Gerade zu Beginn zeichnet der Film das gelungene Bild einer Generation, die sich nach Vernetzung sehnt und wie fortschreitend eine Art Leben in einem Netzwerk stattfindet. Ob das gezeigte nun den Tatsachen entspricht oder nicht, kann man weder nachvollziehen, noch ist es für den Zuschauer von größerer Relevanz, denn das Lebensgefühl der Generation "Web 2.0" wird hier sehr schön wiedergegeben und die Erfolgsgeschichte "Facebook" kann hier auch als eine Art Metapher für die Macht des Internets verstanden werden.

Das Portrait einer ganzen Generation

Besonders Justin Timberlake [ALPHA DOG] überzeugt in der Rolle des schmierigen NAPSTER-Gründers Sean Parker, der sich an den "Großen" rächen will, während Jesse Eisenberg [ZOMBIELAND] eine gelungene Darstellung des Facebook-Erfinders Mark Zuckerbergs gibt. Der wahre Star des Filmes ist aber der geniale Soundtrack von Trent Reznor [von der Band NINE INCH NAILS]. Seine Musik findet die perfekte Kombination aus synthetischen Klängen und klassischen Melodien. David Finchers Biografie kann überzeugen, weil er trotz seiner ambivalenten Figuren stets einen objektiven Blick auf das Geschehen behält und somit diesem Thema komplett gerecht wird.


8/10 Freunden bei Facebook

You'll Meet A Dark Tall Stranger


Regie: Woody Allen
Buch: Woody Allen
Darsteller: Naomi Watts, Josh Brolin, Anthony Hopkins, Lucy Punch, Antonio Banderas

Nach 40 Jahren Ehe treibt eine Scheidung den Keil zwischen den 73 jährigen Alfie [Anthony Hopkins] und seine Frau Helena. Er sucht sein Glück nun in der wesentlich jüngeren Ex-Prostituierten Charmaine [großartig nervtötend: Lucy Punch], welche ihn nach und nach finanziell in den Ruin treibt. Helena, seine EX-Frau, sucht nach einem gescheiterten Selbstmordversuch Antworten im Okkultismus. Eine Wahrsagerin weist ihr fortan den Pfad und sie versucht somit ihr Leben in den Griff zu bekommen. Dann wäre da noch Roy [Josh Brolin], der nach einem erfolgreichen Buch kein Glück mehr in der Rolle als Autor findet und seine Frau Sally [Naomi Watts], welche sich zu ihrem neuen Chef hingezogen fühlt.
Nun stehen alle Ampeln auf "Rot" und die Irrungen und Wirrungen des Lebens lassen alle Charaktere des Filmes in Richtung Abgrund treiben.

Frei nach Shakespeare: Schall und Wahn!

Woody Allens neuester Film handelt davon, wie Menschen einer falschen Illusion nachjagen und dabei zu einer bitteren Erkenntnis gelangen. Prinzipiell natürlich ein sehr deprimierendes und trauriges Thema, aber Woody Allen wäre nicht Woody Allen, wenn er nicht auch aus diesem Thema eine kleine süffisante Komödie zaubern könnte. Durch seine unprätentiöse und ruhige Machart sticht der Film zwar nicht maßgeblich aus seiner Filmografie heraus, filmische Innovationen sucht man beim Altmeister ebenfalls vergebens, dennoch besitzt ICH SEHE DEN MANN DEINER TRÄUME den unverwechselbaren "Woody Allen-Charme", der schon sein Frühwerk auszeichnet. Allen ist besonders gut darin, in bestimmte Gesellschaftsschichten abzutauchen und diese auseinanderzunehmen, sei es die englischen Arbeiterschicht aus CASSANDRAS TRAUM oder die New Yorker Upper-Class [z.B. ANNIE HALL uvm.], diesbezüglich gelang ihm auch mit diesem Film ein feinfühliger und unterhaltsamer Blick durch die Fenster der Gesellschaft auf einen skurrilen kleinen Mikrokosmos. Nach MATCH POINT, SCOOP und CASSANDRAS TRAUM ist YOU WILL MEET A TALL DARK STRANGER Allens vierter Film, welcher in London spielt. Schauspielerisch sei hier besonders Lucy Punch hervorgehoben, welche in der Rolle der unfassbar dreisten Charmaine zur absoluten Höchstform aufläuft, aber auch Josh Brolin überzeugt in der Rolle des erfolglosen und moralisch geplagten Autors. Fazit: Ein Film für Fans des Meisters, getreu dem Motto: Wo Woody Allen drauf steht, ist auch Woody Allen drin.


7/10 Blutsaugenden Ludern