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I SPIT ON YOUR GRAVE 2010


Regie: Steven R. Monroe
Buch: Stuart Morse
Darsteller: Sarah Butler, Jeff Branson, Andrew Howard

Der [zweifelhafte] Genreklassiker I SPIT ON YOUR GRAVE des israelischen Regisseurs Meir Zarchi geniesst [meiner Meinung nach völlig zu Unrecht] einen hohen Rang im Thronsaal der Explotationfilme. Zusammen mit Wes Craven's thematisch eng verwandten THE LAST HOUSE ON THE LEFT bildet er einen großen Tabubruch der den Anfang der 80er Jahre markiert und eine große Welle an Nachahmungstätern aus dem Nebel des Amateurfilms lockte [filmisch gesehen hauptsächlich Kandidaten für den Sondermüll]. Zarchis Film wurde sogar für damalige Verhältnisse mit einer sehr billigen Optik und eher unbegabten Laiendarsteller heruntegekurbelt, was den Film umso mehr in die "Schmuddelecke" drängte. Vermarktet wurde dieses Machwerk als eine Art Statement für die Rechte der Frau [sick!], daher auch der Alternativtitel DAY OF THE WOMEN. In Deutschland erfuhr der Streifen die fragwürdige Ehre der Beschlagnahmung nach $131, während er in England das Siegel "Video Nasty" tragen durfte [Siehe Palast-Ausgabe No.1]. Wie auch THE LAST HOUSE ON THE LEFT wurde diese polarisierende Geschichte erneut aus dem Giftschrank geholt und mit einer dicken Schicht Politur neu aufgelegt.

Nägel mit Köpfen

Die Geschichte des Filmes führt ohne große Schnörkel direkt zur Sache: Die junge Autorin Jennifer Hills fährt in die Einöde um in einer einsamen Waldhütte ihr neuestes Buch zu verfassen. Dort wird sie von einem Haufen unterbelichteter Hinterwäldler grausam vergewaltigt und beinahe umgebracht. Nach einer halsbrecherischen Flucht schmiedet sie einen brutalen Racheplan, der nicht nur den Zuschauer buchstäblich rot sehen lässt...

Starker Tobak

Zunächst sei gesagt: Man muss hart gesotten sein um I SPIT ON YOUR GRAVE vollständig konsumieren zu können! Während uns das LAST HOUSE-Remake mit einem [recht trivialen aber] augenzwinkenden Ende mitteilte "This is only a movie", sprengt I SPIT ON YOUR GRAVE vollends die Distanz zum Publikum. Hier ist es nicht die ausufernde Gewalt welche Jennifer gegen ihre Peiniger anwendet, sondern es sind die unbegreiflichen Momente der sexuellen Folter welche ihr in expliziten Bildern angetan werden. Der gesamte Plot ist im Prinzip völlig überraschungsfrei, man ahnt schon in der ersten Minute vom hereinbrechenden Unheil, aber gerade diese Auswegslosigkeit macht die erste Hälfte des Filmes zur absoluten Mutprobe. I SPIT ON YOUR GRAVE ist ein Film, den man auf zwei Ebenen wahrnehmen kann: einerseits die analytische Seite welche versucht Jennifers Rache moralisch begreifbar zu machen, andererseits natürlich die emotionale, explotative Seite, welche in erster Linie auf den puren Thrill des Publikums ausgerichtet ist. An der moralischen Auseinandersetzung um das Thema "Selbstjustiz" [ob nun letztenendes beabsichtigt oder nicht] scheitert der Film [wie jeder andere Explotationfilm] völlig, auf der anderen Seite stellt I SPIT IN YOUR GRAVE zumindest formal einen nahezu perfekten, nervenzerreissenden Foltertrip für Körper und Seele dar. In stimmungsvollen Bildern wird eine höchst grausame Geschichte eingefangen, in der besonders Hauptdarstellerin Sarah Butler postiv auffällt, denn sie meistert diesen Trip mit einer beachtlichen schauspielerischen Kraft. Dieses Remake schafft es den billigen Look und das miese Schauspiel seines Originals zu überwinden und einen hochspannenden, wenn auch moralisch fragwürdigen Thriller aus dem bekannten Plot zu schneidern.

Nichts für den Zart Besaiteten

I SPIT ON YOUR GRAVE ist eine fiese Mutprobe für jeden Cineasten, eine Art moderner DELIVERANCE [BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE], schauspielerisch und auch technisch vollends gelungen, lediglich mit dem immer wiederkehrenden bitteren Nachgeschmack der Selbstjustiz.


7/10 gelynchten Hillbillies

Der Film wurde sowohl in Deutschland als auch in England massiv gekürzt, die amerikanische UNRATED-Fassung hingegen zeigt den Film in seiner ganzen Länge. In Österreich wurde für das Jahr 2012 eine ungekürzte [preislich sicher wieder sehr unverschämte] Fassung angekündigt.