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THE TREE OF LIFE


Regie: Terrence Malick
Darsteller: Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastaine
Effekte: Douglas Trumbull

Ganz im Sinne Andrej Tarkovskijs [THE SACRIFICE, STALKER] versteht es Regisseur Terrence Malick [DAYS OF HEAVEN, BADLANDS] seine Filme anti-dramaturgisch, ähnlich dem Zustand des Träumens, zu inszenieren. Schon Ingmar Bergmann [DAS SIEBENTE SIEGEL, DIE JUNGFRAUENQUELLE] wusste diese Erzählform zu schätzen und auch Stanley Kubrick [2001, EYES WIDE SHUT] bediente sich dieser subjetiven Form des Kinos.



Alle Charktere dieses Filmes verkörpern auf exemplarische Art und Weise Ideologien ihrer Zeit: Der strenge, verantwortungsbewusste Vater, die liebende, im stillen leidende Mutter und der rebellische Sohn. Brad Pitt überrascht mit der starken und vielschichtigen Darstellung des Familienvaters, was aufgrund der Dialogarmut des Filmes eine bemerkenswerte Herausforderung darstellt, aber auch seine Ehefrau [Jessica Chastain], stellt sich als die richtige Wahl für die Rolle der anmutigen und schönen Mutter heraus - diese Schauspielerin wird man wohl in Zukunft noch in weiteren ambitionierten Filmen sehen.



THE TREE OF LIFE wirkt wie ein mächtiger Bewusstseinstrom, der durch seine traumähnlichen Bilder bei jedem Zuschauer ein ganz individuelles [Film-]Erlebnis auslöst. Der Film entzieht sich einer klassischen Dramaturgie, Diaoge werden oft ausgespart, Malick fängt die Momente zwischen der Handlung ein und erschafft eine sehr subjektive und emotional herausfordernde Reise durch Raum und Zeit. Für die Effekte richtete Douglas Trumbull [2001, BRAINSTORM] eigens ein kleines Labor ein, in welchem mit Flüssigkeiten und deren Aggregatzustände experimentiert wurde. Das Ergebnis dieser experimentellen Herangehensweise sind Ehrfurcht gebietende Bilder, welche tatsächlich vermuten lassen, wie unser Universum entstanden sein könnte.



Malick gelingt es das Gefühl der Unendlichkeit zu erzeugen, dies schafft er hauptsächlich durch das Abbilden des kleinen warmen Energiekerns, der Liebe, dem Hass - stilisiert im ambivalenten Schicksal einer einzelnen Familie. Das gesamte Universum entsteht in einem Herzschlag, der Puls der Zeit schlägt durch die beindruckenden Bilder welche suggerieren wie bedeutungslos klein der Mensch - zugleich aber bedeutungsvoll in seiner Welt - ist. Ob nun eine einzelne Familie oder das gesamte Universum, beides sind feine Konstrukte in welchen Schmerz und Verlust mit Glück und Ehrfurcht einhergehen können. So in etwa lässt sich das Gefühl beim Betrachten des filmischen Gemäldes THE TREE OF LIFE beschreiben, ein Film dem Worte eigentlich nicht gerecht werden, ähnlich wie die Filme von Kubrick oder Tarkovskij wird sich die wahre Qualität dieses elegischen Bildersturms erst nach einiger Zeit im Kopf des Zuschauers entfalten. Ein Meisterwerk.