.

ASIA - Kurzbesprechungen #2

Die besprochenen Filme in der zweiten Ausgabe der Asia-Kurzbesprechungen:
THE BANQUET, SPRINGTIME, BREATH, TIME
[Für die Trailer jew. auf das zugehörige Bild klicken]



THE BANQUET [2006]
Visuell extrem beeindruckende Hamlet-Variante, interessant besetzt und auch gut gespielt, die Musik von Tan Dun [Tiger & Dragon] unterstützt die opulente Atmosphäre. Exzellent choreographierte Kämpfe und vor allem Tänze [ähnlich dem japanischen "Butho-Tanz"] sind das Highlight dieses eleganten Bildersturms. Leider wirkt der Film insgesamt etwas inhaltsleer, auf 90 Minuten gestrafft wäre THE BANQUET wohl ein gelungener Film, mit über 2 Stunden wirkt das Gerangel um den Platz auf dem Thron leider etwas ermüdend. Wer ästhetische Bilder, brilliante Choreografien und die mitreissenden Klänge zu Schätzen weiss, der erlebt mit THE BANQUET einen schönen Ausflug ins alte China, Zuschauer die Action und Spannung suchen sollten allerdings lieber einen Bogen um den Film machen. Warnung: Die Deutsche DVD wurde von 1:2,40 auch 1:1,85 aufgezoomt, was die hübschen Bildkompositionen zerstört. [Tipp: die Koreanische DVD von HB Entertainment mit oplutenter DTS-Tonspur]


5/10 vergifteten Klingen




SPRINGTIME [2004]
Musikalische Tragigkomödie mit Choi Min-Sik [Oldboy] aus Korea. Ein Mann findet aus einer Lebenskrise, indem er einen Jugendchor für einen Wettbewerb vorbereitet. Sehr gut gespielter, ruhiger und auch melancholischer Film mit einigen sehr schönen Momenten. Der Film lebt von der starken Präsenz des Hauptdarstellers und seiner Darbietung einer glaubwürdigen Charakterentwicklung. Schade dass es der Film nie in den internationalen Wettbewerb geschafft hat, verdient hätte er es allemal. [koreanische DVD von Ivsion Entertainment]


9/10 Crescendos



BREATH [2007]
Ein jüngerer Film von Kim Ki-Duk, der unter dem augenscheinlichen Thema "Todesstrafe" eigentlich von etwas ganz anderem handelt: Nämlich der Suche nach Freiheit. Besonders in der weiblichen Hauptrolle überzeugt der Film und vermeidet [wie für Kim Ki-Duk so üblich] am Ende eine klare Antwort. [koreanische DVD von Taewon]


7/10 bunten Wandtapeten im Knast




TIME [2006]
Ebenfalls ein neuerer Film von Kim Ki-Duk in dem es um die Frage nach Identität geht. Beginnt wie ein modernes Beziehungsdrama, schwenkt danach aber sanft ins Surreale ab und lässt den Zuschauer mit einigen interessanten Gedanken zurück. Ungewohnt ruhiges und [physisch] gewaltfreies Kino von Kim Ki-Duk das zum Denken anregt. [koreanische DVD von Taewon]


7/10 metaphorischen Schönheits-OPs

ASIA - Kurzbesprechungen #1

Die Palast-Schatztruhe wuchert förmlich über vor interessanten Titeln aus Fernost, an diesen exotischen Eindrücken will ich euch natürlich teilhaben lassen:
Die besprochenen Filme: FAILAN, SECTOR 7, BATTLES WITHOUT HONOR AND HUMANITY, GENERAL'S SON, SPACESHIP YAMATO, THE SHOW MUST GO ON. ADDRESS UNKNOWN, THE HOUSEMAID
[Für die Trailer jew. auf das zugehörige Bild klicken]



FAILAN [2001]
Zunächst ein gewöhnlicher Gangsterfilm, wandelt sich nach 30 Minuten abrupt zu einem sehr herzzerreissenden Drama. Grob gesagt: es geht um einen Kleinkriminellen (Choi Min-Sik aus OLDBOY) der seine "Ehefrau" (Failan) nie kennelernte und erst nach ihrer Bestattung erfährt um was für einen Menschen es sich bei ihr gehandelt hat. Der Film ist klasse gespielt, lebt vom Wechselspiel aus Trauer und Leichtigkeit und ist aufgrund der ungewöhnlichen Darstellung des Gangsters (der eigentlich keiner sein will) exrem sehenswert. [Koreanische DVD von Tube Entertainment]


9/10 Scheinehen



SECTOR 7 [2011]
Hier handelt es sich um den ersten koreanischen 3D-Film [von den Machern von PUBLIC ENEMY, SILMIDO und MOSS], sozusagen ein AVATAR auf koreanisch, richtig? Weit gefehlt! Die 3D-Effekte wirken zusammengeklaut und sind ziemlich "In-Your-Face", wäre soweit eigentlich in Ordnung, wenn man nicht schon nach 45 Minuten vor dem ersten Auftritt des Monsters von der nervigen Cast und den Dauerklischees so penetrant genervt wäre [Ein schlecht choreografiertes Motorradrennen auf einer Ölplattform, muss das sein !?]. Die Effekte wechseln von "durchaus Ansehnlich" bis hin zu "Würg". Insgesamt ein eher ärgerlicher, unspannender und einfallsloser Film. Schade, hat THE HOST doch schon bewiesen, dass die Koreaner eigenständige Blockbuster auf hohem Niveau zaubern können und nicht auf primitives Abkupfern schlechter US-Blockbuster angewiesen sind. SECTOR 7 wirkt wie die schleimige Nachgeburt eines Michael Bay-Crapbusters. [Wird aufgrund der 3d-Sache sicher demnächst in Deutschland als DVD/BD-Release verwurstet]


2/10 mal in die Öl-Pipeline gereiert



BATTLES WITHOUT HONOR AND HUMANITY [1973]
K. Fukasakus [Battle Royale, Yakuza Graveyard] Startschuss seiner Yakuza-Papers Filmreihe ist ein visuell aufregender, extrem gewaltätiger Yakuzafilm aus den 70ern, der sich unter anderem als perfekter Einstieg ins Genre eignet. Für mich erwiesen sich die vielen Namen & Yakuzaclans als problematisch, da ich recht schnell den Faden/die Übersicht verloren habe. Nach einer zweiten Sichtung am darauf folgenden Tag war ich allerdings Feuer und Flamme und werde mich gleich an die Fortsetzungen wagen. [In Deutschland auf DVD von R.E.M. erschienen]


8/10
Steilvorlagen für Tarantino



GENERALS SON [1990]
Die General's Son-Trilogie von Im Kwon-Taek [Chiwahseon] war seinerzeit in Korea ein Publikumshit, sicher liegt das daran, dass der Film [wie bei Im Kwon-Taek üblich] voller koreanischer Geschichte und Kultur steckt. In seinen besten Momenten [als sich z.B. einige Kinder ins Kino schmuggeln] erinnert die Filmreihe an Scorsese, den Haupthandlungsstrang empfand ich allerdings eher konventionell - eine ganz klassische Gangsterfehde eben, nichts Aufregendes - kann man sich aber trotzdem ansehen. [Koreanische DVD von Spectrum]


6/10 Plumpsklos unterm Kinosessel



BATTLESHIP YAMATO [2010]
Japanische Sci-Fi-Opera, welche auf einer Animeserie aus den 70ern basiert. Teilweise brilliante Weltraumschlachten, optisch sehr eindrucksvoll umgesetzt, krankt allerdings leider an katastrophalem Overacting und einer geradezu armseeligen Story. Vor lauter Pathos und unfreiwilliger Komik fällt die Geschichte zwar nicht mehr besonders auf, was den Film leider auch nicht besser macht. Der Film dient bestenfalls als Demo-Disc für den Blurayplayer, aber ehrlich gesagt gibt es selbst in diesem "Genre" mittlweile "bessere" schlechte Filme [TRANSFORMERS!]. [In Deutschland auf einer sehr guten Bluray und DVD von Splendid erschienen]


3/10
Käpt'n Iglos



THE SHOW MUST GO ON [2007]
Song Kang-Ho [THE HOST, THE GOOD, THE BAD, THE WEIRD] als gescheiterter Familienvater und Mid-Class-Gangster. Das ganze ist eine Art SOPRANOS auf koreanisch, insgesamt wirklich sehenswert, legt (wie für koreanische Filme üblich) den Fokus auf ganz andere Aspekte als das z.B. in einem Hollywoodfilm der Fall wäre. Absolut empfehlenswerter Film. [In Deutschland unter dem sinnfreien Titel PORTRAIT OF A GANGSTER von Splendid erschienen]


8/10 Bestechungsversuchen in der Grundschule



ADDRESS UNKNOWN [2001]
Ein früher Film von Kim Ki-Duk, Themen wie Entfremdung, Herkunft und Zugehörigkeit werden verpackt in einem ultraharten und finsteren Kostüm aus Schmerz und Hoffnungslosigkeit präsentiert. In meiner aktuellen Kim Ki-Duk Retrospektive nehme ich nach jedem Film an: "OK das war jetzt der heftigste, kaputtste Film von Allen" und dann kommt so etwas wie ADDRESS UNKNOWN. Der Film ist kaum zu ertragen, gehört sicher mit zum [psychologisch] härtesten was ich bisher gesehen habe. Eigentlich würde ich den Film niemandem empfehlen, trotzdem ein absoluter Tipp - für seelische Masochisten eben. Eine Frage zum Abschluss: Warum kloppen sich Asiaten eigentlich immer auf den Kopf??? [Koreanische DVD von Spectrum]


10/10 Hündchen zum Liebhaben



THE HOUSEMAID [2010]
Elegante und atmosphärisch sehr dichte Neuverfilmung des gleichnamigen Klassikers von 1960, Besonders in der Hauptrolle sehr überzeugend gespieltes Drama mit recht morbidem Nachgeschmack in dem eine Haushälterin die Dekadenz der reichen Gesellschaft am eigenen Leib erfahren muss. Augenscheinlich wird das eigentliche Thema der unterschliedlichen Klassen eher oberflächlich abgehandelt, unter dieser hübschen Kruste brennt es aber lichterloh mit einem neckischen Augenzwinkern. Zum Ende hin wird der Film herrlich surreal und makaber, was aufgrund der bemerkenswerten Hochglanzoptik umso mehr verstört. Kein Meisterwerk, aber ein höchst schmackhafter Leckerbissen aus Korea! [In Deutschland auf BD und DVD von Alamode erschienen]


8/10 abgebrannten Angestellten